Spätestens im März ist es wieder soweit: Gemüse und Pflanzen werden zuhause auf der Fensterbank oder im Minigewächshaus ausgesät und vorgezogen, damit sie später schon als möglichst große und kräftige Pflanzen im Garten ausgepflanzt werden können. Besonders Tomaten und Chili sollten zeitig in die Erde, denn sie haben eine lange Entwicklungszeit! Doch welches Aussaatgefäß eignet sich am besten dafür? Es gibt eine große Auswahl! Ich habe in diesem Blogbeitrag einige Gefäße genauer unter die Lupe genommen und die Vor- und Nachteile aufgeschrieben. Viele kann man sogar selber machen, einige Aussaatgefäße muss man jedoch kaufen. Doch egal, wie man sein Gemüse vorzieht – es ist immer ein großer Spaß und ein schöner Start in die Gartensaison. Hier sind ein paar Ideen für geeignete Aussaatgefäße:

Joghurtbecher / Schalen

Upcycling steht im Trend. Was vorher noch Müll war, wird plötzlich zur Kinderstube für Jungpflanzen! Joghurtbecher oder leere Obstschalen (z.B. transparente Erdbeer-Schalen) sind perfekt als Aussaatgefäße für die Pflanzenanzucht geeignet. Wenn Du regelmäßig Joghurt, Quark oder andere Lebensmittel aus Plastikbechern kaufst, dann sammel einfach eine Weile lang diese Gefäße und gib ihnen ein zweites „Leben“ als Anzuchttopf! Man bohrt ein Loch in den Boden (falls noch keins drin ist), damit das Wasser abziehen kann und fülle Anzuchterde hinein. Danach kann auch schon gesät werden! Besonders die hohen Gefäße sind bestens geeignet für Pflanzen, deren Wurzeln tief wachsen wollen, Mangold z.B.

Vorteil: sehr günstig, lange haltbar, leicht zu bekommen, mehrfach verwendbar
Nachteil: Plastikmüll bleibt Plastikmüll

Eierkarton

Die allseits bekannten Eierverpackungen, auch Eierkarton genannt, lassen sich als Anzuchtgefäße verwenden! Ich persönlich benutze sie jedoch nicht, denn sie weichen sehr schnell durch und verlieren dann ihre Form. Es passt auch nicht allzu viel Erde rein, so daß man die Jungpflanzen schon recht bald umpflanzen muss.

Vorteil: sehr günstig, leicht zu bekommen
Nachteil: weichen schnell durch, wenig Platz für Wurzeln

Eierkarton als Aussaatgefäß für Jungpflanten
Man kann Eierschalen als Aussaatgefäße verwenden! Es gibt jedoch bessere Möglichkeiten,
um Gemüse und Blumen auszusäen.

Eierschalen

Leere Eierschalen vom Frühstücksei sind geeignet, um Jungpflanzen anzuziehen, aber mit Einschränkungen. Eierschalen sind aber aus meiner Sicht nicht all zu gut dafür geeignet. Sie haben keinen Wasserabzug, es passt nur eine winzig kleine Menge Erde rein und sie zerbrechen superschnell. Wenn es anschließend ans Auspflanzen geht, muss man die Pflänzchen mühsam aus dem Ei „pellen“, denn mit Eierschale auspflanzen funktioniert nicht, weil die Schale zu hart ist. Als Deko sind Jungpflanzen in Eierschalten perfekt geeignet – zur ernsthaften Jungpflanzenanzucht eignen sie sich eher nicht ;-)

Vorteil: günstig, natürliche Materialien, leicht zu bekommen
Nachteil: leicht zerbrechlich, wenig Platz für Wurzeln und Erde

Papiertöpfe Aussaat Blumen Gemüse Papiertopfpresse
Mit einer Papiertopfpresse stellt man abbaubare Aussaatgefäße ganz einfach aus Zeitungspapier her.

Papiertöpfe

Papiertöpfe sind eine wirklich feine Sache. Sie lassen sich leicht aus altem Zeitungspapier selber herstellen. Sie bestehen zu 100% aus Papier. Das Zeitungspapier wird einfach in ca. 15cm breite Streifen geschnitten und danach um einen runden Gegenstand gerollt. Man kann dafür kleine Flaschen oder Dosen verwenden oder sich eine Papiertopfpresse zulegen.

Nachdem man das Papier um die Form gewickelt hat, wird das überstehende Papier nach innen umgeschlagen.So bildet sich der Boden. Danach drückt man die Form fest auf eine Oberfläche bzw. in den Stempel. Dadurch bekommt das Töpfchen seine Standfestigkeit. Wenn man möchte, kann man an der Oberseite das Papier noch umschlagen. Sie bekommen ihre endgültige Stabilität, sobald feuchte Erde drin ist.

Ein kleiner Nachteil dieser Töpfe ist, dass das Papier leicht schimmelt, wenn die feuchten Töpfchen zu eng beieinander stehen. Wenn man etwas Abstand zwischen ihnen lässt, passiert jedoch nix. Der große Vorteil der Papiertöpfe ist, daß man die Jungpflanzen später mitsamt Papier auspflanzen kann. Das Papier zersetzt sich im Boden und wird zu Humus. Die modernen Druckfarben im Zeitungsdruck sind ürigens völlig unbedenklich, denn sie enthalten schon seit vielen Jahren keine Schwermetalle mehr. Man sollte ausschließlich Zeitungspapier benutzen, denn das Papier und die Druckfarben von (Hochglanz-)Magazinen sind oft giftig.

Vorteil: leicht herzustellen, viel Platz für Erde und Wurzeln
Nachteil: etwas anfällig für Schimmel

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Klopapier-Papprollen

Klopapier-Papprollen kann man sammeln und prima als Aussaatgefäß benutzen, doch sie haben keinen Boden. Die Erde kann also rausrutschen, wenn man sie hochhebt. So lange die Rollen jedoch auf einer Oberfläche stehen, funktioniert es gut. Die Papprollen kann man einfach mit ins Beet pflanzen, sie zersetzen sich. Toilettenpapier-Papprollen funktionieren übrigens genauso als Aussaatgefäß ;-)

Vorteil: stabil, abbaubar, natürlich
Nachteil: kein Boden

Anzuchtplatten

Anzuchtplatten eignen sich besonders für die Anzucht von extrem vielen Pflänzchen. Es gibt Platten mit über 140 Töpfchen! Da passt jedoch nicht viel Erde rein, man muss die Pflanzen schnell umtopfen, sobald sie groß werden. Anzuchtplatten mit 54 oder 24 Töpfchen sind da schon weitaus praktischer, weil größer. Die Platten werden mit Aussaaterde gefüllt und dann wird in die Töpfchen ausgesät. Sie sind leicht zu transportieren und bei entsprechender Pflege jahrelang zu benutzen. Bei Gärtnereien gibt es übrigens manchmal Einweg-Anzuchtplatten, die man sich mitnehmen kann (einfach mal nachfragen). Diese bestehen aus dünnem Kunststoff und sind schon nach 1-2 Jahren ein Fall für die Tonne. Wenn Du Pflanzen in großer Menge anziehen möchtest, dann sind stabile Anzuchtplatten eine Überlegung wert.

Vorteil: zum Anziehen von großen Mengen, stabil und haltbar, leicht zu transportieren
Nachteil: aus Kunststoff, hoher Preis

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Kokos Quelltöpfe Quelltabletten
Kokosquelltöpfe eignen sich besonders für die Tomaten- und Paprika- und Chili-Anzucht

Kokos-Quelltöpfe

Kokos-Quelltöpfe bestehen aus gepressten Kokosfasern bzw Kokosgranulat. Das Töpfchen wird von einem Gewebe zusammengehalten. Die Quelltöpfe sehen in trockenem Zustand wie große Tabletten aus. Sobald sie naß werden, quellen sie auf und es entstehen die Töpfchen – perfekte Aussaatgefäße! Sie enthalten keine Nährstoffe, sind daher zur Anzucht besonders gut geeignet. Dadurch daß die Töpfchen erst kurz vor der Verwendung ihre endgültige Größe erreichen, lassen sie sich platz- und ressourcensparend transportieren und belasten die Umwelt nicht so sehr wie z.B. Blumenerde. Aber das Kokosmaterial wächst auch nicht vor unserer Haustüre…

Die Kokosquelltöpfe verwende ich für die Anzucht von Tomaten und Paprika / Chili. Sobald die Pflanzen etwas größer sind, wachsen die feinen Wurzeln ungehindert durch die Töpfchen durch. Dann kann der komplette Kokosquelltopf mitsamt Pflanze in größere Töpfe mit nährstoffreicher Blumenerde umgepflanzt werden. Die Wurzeln können ungestört weiterwachsen. Achtung: Es gibt auch Torfquelltöpfe – wenn Du Torf problematisch findest, dann greif lieber zur Kokosvariante.

Vorteil: leicht zu transportieren und zu lagern, nährstoff- und keimarm, unbenutzt jahrelang haltbar

Nachteil: Preis

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Erdtopfpresse mit Presstöpfen für Aussaat vonB Blumen und Gemüse
Wenn man besonders viele Pflanzen vorziehen möchte, dann sind Erdpresstöpfe die beste Wahl.

Erdpresstöpfe

Erdpresstöpfe sind genau das richtige für Powergärtner! Sie sind ökologisch, verbrauchen nur wenige Ressourcen und sind schnell in großen Mengen herstellbar. Erdpresstöpfe bestehen nur aus Erde! Man kennt sie aus den Gärtnereien – Salat und Kohlrabi-Jungpflanzen werden in Erdpresstöpfen angezogen. Ganz ohne Abfall!

Um Erdpresstöpfe herzustellen, benötigt man eine Erdtopfpresse. Das sind handbetriebene Geräte (oft aus Metall), die unter Druck das Erdsubstrat zusammenpressen und so kleine, relativ stabile Würfel herstellen. Jeder Würfel hat eine kleine Vertiefung an der Oberseite. In jeden dieser Würfel wird ein Samenkorn gelegt (in die Vertiefung) und mit Quarzsand oder Erde abgedeckt (nur Dunkelkeimer natürlich). Die Wurzeln wachsen einfach durch die Erde durch. Man pflanzt nachher die komplette Pflanze inkl. Erdpresstopf in das Beet oder in größere Gefäße.

Erdtopfpressen gibt es in verschiedenen Größen bei einigen Händlern in Onlineshops zu kaufen (einfach nach „Erdtopfpresse“ suchen). Sie sind nicht billig, halten aber ein Leben lang. Bei der Erdmischung muss man ein klein wenig experimentieren. Ich benutze Aussaaterde mit ein wenig Lehmpulver gemischt. Mit dieser Mischung fallen die Töpfe nicht so leicht auseinander. Vor dem Pressen muss die Erde schwammfeucht sein, dann klappt es wunderbar. Die fertigen Erdtöpfe setzt man am besten nebeneinander in Anzuchtschalen. Erdpresstöpfe sind die perfekte Lösung, wenn man wirklich viele Jungpflanzen anziehen möchte.

Vorteil: Töpfe bestehen nur aus Erde, schnell in großen Mengen herstellbar, Presswerkzeug lange haltbar

Nachteil: einmaliger Anschaffungspreis

Töpfe aus gepressten Naturfasern lassen sich mitsamt der Pflanze ins Beet setzen – sie lösen sich dann einfach auf.

natürliche Fasertöpfe

Im Handel sind Aussaatgefäße und -töpfe aus natürlichen Fasern erhältlich, mit denen man Jungpflanzen anziehen kann. Sie bestehen z.B. aus Zellulosefasern, die in Topfform gepresst werden. Es gibt sie in eckig und rund, in groß und klein. Diese Töpfe eignen sich wunderbar zur Aussaat von Gemüse und Blumen. Durch das natürliche Material kann man die Pflänzchen später mitsamt Topf an die finale Stelle ins Beet pflanzen. Der Topf zersetzt sich im Erdreich, Wurzeln können einfach durchwachsen.

Vorteil: Kann mitsamt Topf ausgepflanzt werden, Töpfe zersetzen sich im Beet, verschiedene Größen verfügbar
Nachteil: relativ teuer

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Aussaat in Tontöpfe
Auch ganz hübsch – Töpfe aus Terrakotta sind wunderbare Aussaatgefäße.

Blumentöpfe

Natürlich kann man auch in normale Blumentöpfe aussäen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es schicke Tontöpfe sind oder Plastiktöpfe, die man mit Jungpflanzen in rauen Mengen mitbekommt und die man über viele Jahre hinweg nutzen kann. Man sollte sie nur dunkel lagern, dann wird das Plastik langsamer spröde. Vor den Auspflanzen muss man die Pflänzchen jedoch aus dem Topf nehmen – die Pflänzchen lassen sich nicht wie etwa bei den Papiertöpfen oder Quelltöpfen direkt mit Topf einpflanzen ;-) Das hat den Nachteil, daß die empfindlichen Wurzeln eventuell gestört werden. Im Blumentopf kann man mehrere Samenkörner ablegen. Nur Gurken möchten das nicht, da darf wirklich nur ein Körnchen pro Topf gesät werden.

Vorteil: jahrzehntelang verwendbar
Nachteil: Gewicht

Direktsaat ins Beet

Nanu, es geht doch in diesem Artikel um Aussaatgefäße für Jungpflanzen… Ja! Aber die Aussaat direkt ins Beet ist bei Weitem die beste Art, um Gemüse und Blumen auszusäen. Direkt gesäten Pflanzen erspart man das stressige Umpflanzen, was immer mit Wurzelbeschädigungen einhergeht. Die jungen Pflänzchen werden dadurch im Wachstum gestört und bekommen einen regelrechten „Umpflanz-Schock“. Das merkt man anschließend am langsamen Wachstum. Sie bleiben meist auch kleiner.

Ich persönlich ziehe nur noch Paprika, Tomaten und Chilis vor. Vielleicht noch etwas frühen Salat und Kohlrabi. Meistens kaufe ich die letztgenannten in der Gärtnerei meines Vertrauens. Die haben mehr Ahnung vom Vorziehen und bekommen das weitaus effektiver und ressourcenschonender hin (Licht / Wärme). Und ich muss mir nicht meine ganzen Fensterbänke vollstellen, denn Pflanzen vorziehen braucht viel Platz!

Fazit

Wie man es auch macht – das A und O der Jungpflanzenanzucht ist der richtige Zeitpunkt der Aussaat. Licht und Wärme müssen stimmen. Welche Aussaatgefäße man dafür nutzt, ist Geschmacksache, aber auch manchmal eine Frage des Geldbeutels. Man kann sich seine Aussaattöpfe selber machen oder auch welche kaufen. Ich hoffe, ich konnte Dir bei der Entscheidung helfen oder Dich auf neue Ideen bringen, in welchen Gefäßen Du dieses Jahr Deine Jungpflanzen anziehen könntest. Viel Spaß beim Gärtnern!

Aussaatgefäße für Jungpflanzen
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