TIPPS und Entscheidungshilfe für angehende Schrebergärtner

LilienblüteEinleitung

Zu allererst herzlichen Glückwunsch, daß ihr in eurem Leben an den Punkt gekommen seid, wo der Wunsch keimt, einen eigenen Kleingarten pachten zu wollen. So weit schafft es nicht jeder. Es ist auch sehr gut, das Du dich fragst: „Soll ich einen Kleingarten pachten?“, „Ist ein Garten das Richtige für mich?“ oder „Schaffe ich es, einen Garten zu bewirtschaften?“. Bitte denkt jetzt nicht, diese Phase markiert den Beginn eures letzten Lebensabschnitts oder das ihr langsam schrullig und eigenartig werdet – am Kleingärtnern ist heutzutage wirklich nix Verwerfliches mehr dran ;-) Ihr werdet auch nicht schrullig oder gar sonderbar – ihr befindet euch stattdessen an der Schwelle zu ganz neuen Erlebnissen und Erfahrungen – ja, ihr tretet in einen neuen Lebensabschnitt ein, denn so ein (Klein-)Garten wird euer Leben und die Sicht auf die Dinge – wenn auch vielleicht nur ein klein wenig – positiv verändern. Yeah!

Damit ihr jedoch nicht ins kalte Wasser springen müsst, bin ich für euch einmal gründlich in mich gegangen, habe in meiner Erfahrungsschatzkiste gekramt und daraus die folgenden Fragen destilliert, die ihr euch stellen solltet, bevor ihr euch einen Kleingarten zulegt. Wenn noch Fragen offen bleiben, schreibt mir bitte einen Kommentar am Ende dieses Artikels, ich werde sie gern beantworten.

 

Warum will ich mir einen (Klein-)Garten zulegen?

Kleingärten liegen momentan hoch im Trend. Die Regale in den Zeitschriftenläden sind voll mit idyllischen, bunten und Deko-überfluteten Gartenbilderbüchern, denen Photoshop noch den letzten Kick verpasst hat. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird dein Garten nie so aussehen. Muss er aber auch nicht. Dein Garten wird zum Spiegel deiner selbst, ein Ort, der deine individuelle Persönlichkeit widerspiegelt. Freu dich darauf und lass dich überraschen!

Ein Garten kann Oase der Erholung sein, er kann dich mit frischem Obst und Gemüse versorgen und er kann auch Location für rauschende Gartenparties sein! Er ist Rückzugsort nach stressigen Tagen und Bühne für die vielfältigsten Gartenabenteuer unter freiem Himmel.

Kleingarten

Die Mischung macht es jedoch. Ein reiner Partygarten wird auch bald danach aussehen. Müll, niedergetrampelte Pflanzen und Hinterlassenschaften der Gäste in den stillen Ecken können einem ganz leicht den Gartenspass vermiesen. Von den lärmgeplagten Nachbarn ganz zu schweigen. Andererseits kann auch der Arbeitsaufwand eines 200 qm Gemüsegartens schnell die Belastungsgrenze eines Kleingärtners überschreiten und man wirft die Flinte ins Korn (oder nach Belieben ins Unkraut). Auf die Mischung kommt es an. Etwas Gemüseanbau, etwas Rasen zur Erholung und ab und an eine Feier mit ausgewählten Gästen – so macht der Garten Spass und Sinn. Alles andere hat erfahrungsgemäß wenig Zweck. Einen Kleingarten bewirtschaftet man über viele viele Jahre hinweg (der Garten wächst total langsam), man muss also nachhaltig denken lernen!

Falls du einen reinen Partygarten willst, lass es bleiben. Für Hardcore-Gemüseanbau fang erstmal klein an und steigere dich langsam, je nach Zeitreservoir.

Noch ein Wort, falls du zum Selbstversorger werden möchtest. Meiner Meinung nach ist das mit einem Kleingarten nur teilweise möglich. In Deutschland ist die beste Möglichkeit, sich selbst zu versorgen, einen Job zu haben, der einem Spass macht und der einen ausfüllt. Von den Einnahmen kauft man im Bioladen frisches Gemüse und Obst und Fleisch von den Bauern von nebenan. Oder man wird selbst zum Bauern von nebenan ;-) Ich halte Selbstversorgung vom eigenen Acker in unserem Land für Utopie. Du kannst es jedoch gerne versuchen! Aber nicht meckern, wenn Mitte November die Vorräte leer sind ;-) Der Kleingarten liefert Dir fast über das ganze Jahr frisches Obst und Gemüse, was deinen Speiseplan bereichern wird. Du kannst jetzt bestimmt schon die erste selbst geerntete zuckersüße Tomate schmecken, oder?

Author: Stefan

Seit 2006 Schrebergärtner mit Passion und Experimentierfreude. Seit 2011 Gartenblogger. Naturnah und erdverbunden. Ohne viel Schnickschnack. Garten als Wohlfühloase und sommerliches Wohnzimmer ohne jeglichen Erfolgsdruck. Kommuniziere gerne über den Gartenzaun ;-) Besuchen Sie die Parzelle 94 auch auf Google+!

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9 Kommentare

  1. Fantastischer Beitrag. Vielen Dank dafür und viele Grüße aus der heimlichen Hauptstadt der Kleingärtner :)

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      • Nein nicht Börlin, sondern Leipsch, der Heimat von Dr. Schreber :D
        (ca. auf jeden 12. Einwohner ein Kleingarten)

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        • Ahhhhh-Leipzig! Na das ist ja gleich um die Ecke ;-) Schöne Grüße! Muss mich demnächst mal über diesen Herrn Schreber belesen… Muss ja ein dufter Typ gewesen sein…

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          • Leider war der Herr Schreber ein sehr heftiger Typ, der die Schrebergärter entgegen landläufiger Meinung, nicht erfunden hat.
            Was Wiki so über ihn schreibt und die Folgen für seine Kinder, ist haarstäubend.

  2. Natürlich stöbere ich in Blogs, über die ich per Zufall stolpere. Vor allem, wenn es ein Gartenblog wie dieser ist. Eine Sache hat mich aber etwas irritiert: „Verstöße gegen die Ordnung können zur Anerkennung der Gemeinnützigkeit führen“ – Da liegt das n und das b wohl auf der Tastatur zu dicht nebeneinander und so wird aus der ABerkennung schnell die ANerkennung. Prima Blog, hier komm ich gern her.

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    • Oh Du hast natürlich völlig Recht! Danke für die Info – habe den Buchstaben ausgetauscht. ;-) Viele Grüße!

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  3. Obwohl wir unseren Garten eher spontan und zufällig bekommen haben, die Gartensaison schon vorbei zu sein scheint und die Anzahl der in der Anlage anwesenden Gärtner sich an den Fingern einer Hand (eines Sägewerkarbeiters) abzählen lässt bin ich mir jetzt sicher, dass das keine blöde Idee war. Bin sogar froh, dass ich damit nicht Gefahr laufe, nicht (noch) schrullig(er) zu werden.
    Danke für die Übersicht, was mich noch erwartet und was ich erwarten kann. Jetzt freue ich mich noch mehr auf den Garten ;)

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  4. Danke für den Interessanten und übersichtlichen Artikel, hat mir sehr geholfen.

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