Fast jeder Gärtner möchte Tomaten aussäen. Es gibt kaum ein Gemüse, was höher in der Gunst der Gärtner steht – ist es doch unser aller Lieblingsgemüse! Tomaten kann man wunderbar selber im eigenen Garten anbauen. Sie wachsen sogar in Kübeln auf dem Balkon! Es gibt zwar mittlerweile überall Jungpflanzen zu kaufen, doch am meisten Spaß macht es, wenn man die Pflanzen selber aussät. Nur dann hat man die größte Sortenauswahl, denn von den interessantesten Sorten bekommt man keine Jungpflanzen, sondern nur Saatgut. Doch das ist gar kein Problem. Die Aussaat von Tomaten auf der Fensterbank gelingt ganz leicht, wenn man ein paar Punkte beachtet.

Tomaten Samen Mikroskop Makro Grossaufnahme
Das ist ein Tomaten Samenkorn in Großaufnahme. Es enthält alle Informationen, damit daraus später eine große Tomate wachsen kann.

Saatgut für Tomaten

Ohne Saatgut kann man keine Tomaten aussäen ;-) In den Saatgut-Ständern der Gärtnereien und Baumärkte dieser Republik findet man eine große Auswahl an Tomatensorten. Doch das ist nur ein Bruchteil der Sorten, die erhältlich sind! Schaut mal auf die Website www.tomaten-atlas.de. Das ein Nachschlagewerk für Tomatensorten. Sie zeigt die unglaubliche kunterbunte Sortenvielfalt von Tomaten auf. Momentan (Januar 2021) sind dort über 7000 Tomatensorten gelistet.

Das Saatgut für diese teilweise sehr seltenen und sehr alten Sorten bekommt man jedoch nicht im Baumarkt, man muss danach auf die Suche gehen. Das macht riesen Spaß! Ich persönlich tausche mein Saatgut für Tomaten auf unserer Saatguttauschbörse. Dort ist Tomatensamen der Renner. Fast jeder hat selbst geernteten Tomatensamen dabei, um ihn gegen neue Sorten zu tauschen. Diese Tauschbörsen finden immer von Januar bis März statt – bestimmt auch bei Dir in der Nähe. Hier bei mir im Blog kannst Du die Termine der sächsischen Saatguttauschbörsen nachlesen.

Achtung: Wenn man selbst Tomatensamen gewinnen möchte, muss man darauf achten, dass man kein Saatgut von F1-Sorten erntet. Dieses Saatgut ist nicht zur Vermehrung geeignet. Die Nachkommen dieser Pflanzen sehen meist komplett anders aus als ihre Eltern. Man sollte daher immer samenfestes Saatgut verwenden, denn davon kann man immer wieder eigenes Saatgut gewinnen. Ob eine Tomatensorte eine F1 Hybride ist, steht auf dem Samentütchen oder auf dem Etikett am Topf.

Wenn man nicht zu einer Tauschbörse gehen kann, dann findet man im Internet Garten-Tauschringe, eine Vielzahl von Onlineshops mit Tomatensamen oder auch private Tomaten-Enthusiasten, die jedes Jahr als Hobby hunderte Tomatensorten selbst anbauen und das Saatgut dann auch gerne weitergeben.

Der richtige Zeitpunkt zur Tomatenaussaat

Der richtige Zeitpunkt zum Tomaten aussäen ist sehr wichtig. Viele Gärtner beginnen damit schon im Januar oder Februar. Wenn man nicht gerade den Luxus eines beheizten Gewächshauses und künstliche Beleuchtung hat, dann lohnt sich das nicht. Durch die frühe Aussaat werden die Pflanzen lang und dünn. Woran das liegt, habe ich in einem Blogbeitrag beschrieben: Aussaaten werden lang und dünn – was tun?

Tomaten reif und bunt in einer Schale

Der ideale Zeitpunkt für das Aussäen von Tomaten ist bei mir Mitte März. Tomaten brauchen ca. 6-8 Wochen, bis sie die Größe erreicht haben, mit der man sie problemlos ins Beet setzen kann. Da die Tomatenpflanzen frostempfindlich sind und schon unter 5°C dauerhaft Schaden nehmen, dürfen sie erst ins Freiland gepflanzt werden, wenn wirklich kein Nachtfrost mehr zu erwarten ist. Das ist traditionell ab dem 15. Mai der Fall – nach den Eisheiligen (ein Blick auf den Wetterbericht bringt Sicherheit).

Man rechnet also vom geplanten Auspflanzen 8 Wochen rückwärts – der perfekte Termin zum Tomaten aussäen ist also Mitte März!

Wenn man eher aussät, kann man Mitte Mai schon fast Tomaten auf der Fensterbank ernten ;-) Die Pflanzen werden schnell riesig groß und nehmen eine Menge Platz weg. Deshalb ist meine Empfehlung, mit der Aussaat von Tomaten nicht zu früh zu beginnen.

Tomaten aussäen

Jetzt geht’s endlich los. Wir haben uns schöne Tomatensorten besorgt, der Zeitpunkt ist perfekt und die Aussaat kann beginnen. Alles was wir brauchen, sind geeignete Aussaatgefäße, Substrat und Wasser. Und natürlich Schildchen und einen Stift.

Bei den Aussaatgefäßen hat man die freie Wahl. Ich habe hier im Blog eine Übersicht zusammengestellt: 10 Ideen für schöne Aussaatgefäße.

Tomatensamen vorquellen

Vor der Aussaat kann man die Keimfreudigkeit der Tomatensamen noch erhöhen, in dem man sie über nacht in Kamillente vorquellen lässt. Ich habe die Prozedur für Paprikasaatgut in einem Blogbeitrag beschrieben, aber für Tomaten funktioniert es genau so: Paprika Samen vorquellen in Kamillentee für mehr Wiederstandskraft – sehr gut auch für Chilisamen!

Minigewächshaus mit Heizung
In einem Mini-Gewächshaus kann man mit einer Heizmatte die optimale Temperatur erreichen

Aussatt in Kokos Quelltöpfe

Ich persönlich säe gerne in Kokosquelltöpfe und in Saatschalen aus. Die Kokosquelltöpfe haben den Vorteil, dass sie keimfrei sind und nicht so schnell schimmeln. Das wäre der Tod für die kleinen Tomatenpflänzchen. Man erspart sich mit den Kokosquelltöpfen auch das Pikieren der Pflanzen, denn in einem Topf wächst genau eine Tomatenpflanze. Man lässt die Quelltöpfe in Wasser aufquellen und kann sofort aussäen. Die Quelltöpfe haben auf einer Seite eine Vertiefung, wo man einfach ein Samenkorn reinlegt. Danach schiebe ich ein wenig Kokos-Substrat drüber – fertig!

Als „Aufbewahrung“ für die Kokosquelltöpfe eignet sich ein Minigewächshaus ideal! Dort passen 28 Pflänzchen hinein und es lassen sich beste Keimbedingungen herstellen. Regelmäßiges Lüften nicht vergessen!

Tomaten sind Lichtkeimer, sie werden nur 0,5 cm tief gesät und müssen danach hell stehen.

Aussaat in Saatschalen

Die andere Art, wie ich Tomaten gerne aussäe, ist in Saatschalen. Besonders wenn man viele Pflanzen anziehen möchte oder wenn man etwas älteres Saatgut hat, ist die Aussaat in Schalen ideal. Als Schalen eigenen sich z.B. gebrauchte Plastikschalen von Weintrauben oder Erdbeeren sehr gut. Dort sind auch schon Abflusslöcher für das überschüssige Wasser drin. Man füllt diese Schalen mit keimfreier feiner Anzuchterde (kann man in der Mikrowelle oder im Backofen desinfizieren). Dann wird gesät!

Keimfreie Erde ist wichtig, denn in Erde tummeln sich viele Keime und Tierchen, die den kleinen Tomatenpflanzen schnell das Leben schwer machen können. Schimmel zum Beispiel oder Trauermückenlarven.

Man legt nun alle 2-3 cm ein Samenkorn auf die mit Erde gefüllten Saatschalen und deckt im Anschluss alles mit ca. 0,5 cm Erde ab. Tomaten brauchen zum Keimen etwas diffuses Licht, deshalb sollte man sie nicht zu tief säen und zum Keimen möglichst hell aufstellen.

Für die Anzucht sind auch Tontöpfe, leere Joghurtbecher, Klopapierrollen und vieles mehr geeignet. Schau Dir doch einfach meinen Artikel über Aussaatgefäße für etwas Inspiration an.

Tomatensorten beschriften

Man darf auf keinen Fall vergessen, die Sorten zu beschriften! Dafür eignen sich Schildchen oder Aufkleber aus Papier. Die dürfen jedoch nicht nass werden. Besser ist es, die Sortennamen direkt mit einem wasserfesten Stift auf die Aussaatbehälter zu schreiben. Bei der Aussaat in Minigewächshäuser zeichne ich mir ein Koordinatensystem auf den Rand des Unterteils. Von oben nach unten Buchstaben und von rechts nach links Zahlen. Danach notiere ich mir auf einen Blatt Papier die Koordinaten meiner Tomatensorten. San Marzano steht dann beispielsweise auf A1 bis D1 ;-)

Idealer Standort und Temperatur

Tomaten benötigen zum Keimen eine Temperatur von ca. 20-23 Grad Celsius und genügend Helligkeit. Innerhalb 10-14 Tagen sollten dann die ersten Keimlinge zu sehen sein. Je kälter es ist, desto länger dauert auch die Keimung. Man sorgt dafür, dass das Substrat nicht austrocknet. Staunässe ist jedoch unbedingt zu vermeiden.

Sind die Tomatenpflänzchen gekeimt, stellt man sie kühler, aber so hell wie möglich. Man hält die Erde immer schön feucht. Die Pflanzen brauchen jetzt viel Licht. Düngen ist noch nicht nötig.

Pflanzen pikieren

Wenn die kleinen Pflanzen kräftiger geworden sind und das zweite Paar Keimblätter gewachsen ist, kann pikiert werden! Das sollte 2-3 Wochen nach dem Tomaten aussäen soweit sein. Pikieren ist übrigens nur für die Aussaaten in den Schalen notwendig.

Pikieren: Die kräftigsten Pflänzchen werden vereinzelt und separat in eigene Töpfe gepflanzt.

Beim Pikieren sucht man sich die kräftigsten Jungpflanzen aus. Nur die werden weiterbenutzt, denn daraus werden die kräftigsten Pflanzen. Man hebt sie mit einem Stäbchen (Pikierstab) vorsichtig aus der Erde. Mit dem Pikierstab sticht man in die Erde und hebelt die Pflanze vorsichtig raus. Die empfindlichen Wurzeln dürfen dabei nicht nicht verletzt werden!

Anschliessend wird das Tomatenpflänzchen in einen neuen, größeren Topf mit Anzuchterde gepflanzt. Sie darf dabei ruhig etwas tiefer eingepflanzt werden, wie sie in der Schale gewachsen ist. Gründlich angießen, beschriften – fertig!

In größere Töpfe umpflanzen

Bei den Keimlingen in den Kokos-Quelltöpfen sollte man umtopfen, sobald die Wurzeln durch die Hülle wachsen. Man pflanzt einfach das komplette Pflänzchen mitsamt Kokos in einen größeren Topf um. Beschriften nicht vergessen!

Pflege der Tomaten-Keimlinge

Die Tomatenpflanzen brauchen jetzt beste Bedingungen, damit sie groß und stark werden.

Man stellt sie so hell wie möglich ans Fenster. Temperaturen um 15°C sind ideal. Vorsicht mit Fensterbänken, die sich über einer Heizung befinden. Dort wird es schnell zu warm!

Neben dem regelmäßigen Gießen sollte man nun auch das Düngen nicht vergessen. Die Pflanzen sind hungrig nach Nährstoffen. Sollte die benutzte Erde schon vorgedüngt sein, kann man jedoch auf die Düngung verzichten. Ansonsten benutzt man handelsüblichen Gemüsedünger, am besten bio und flüssig. Den kann man einfach ins Gießwasser geben. Die Düngermenge steht auf der Flasche und danran sollte man sich auch unbedingt halten. Zu viel Dünger schadet den Pflanzen.

Sehr groß gewachsenen Pflanzen gibt man einen Pflanzstab als Stütze.

Tomaten Jungpflanzen
Je kräftiger man die Tomaten-Jungpflanzen werden lässt, desto besser wachsen sie nachher auch im Garten.

Gewöhnung an die Sonne

Bevor man die Tomaten Mitte Mai ins Freiland pflanzt, muss man sie unbedingt abhärten. Bei der Aufzucht in der Wohnung sind sie noch nicht an das UV-Licht der Sonne gewöhnt. Würde man sie einfach so auspflanzen, verbrennen die Blätter innerhalb kurzer Zeit. Sie werden dann weiß und papierartig.

Wenn man jedoch die Pflanzen jeden Tag ein paar Stunden tagsüber auf den Balkon oder ins Freie stellt (nicht in die pralle Sonne), dann gewöhnen sie sich an das Licht und bauen einen natürlichen UV-Schutz auf.

Wann auspflanzen?

Tomaten werden erst ins Freie gepflanzt, wenn keine Minusgrade mehr zu erwarten sind bzw. keine Nachttemperaturen von unter 5°C. Typischerweise ist das bei uns in Deutschland etwa ab 15. Mai der Fall – nach den Eisheiligen.

Die Eisheiligen fallen zwar in manchen Jahren komplett aus, aber die Erfahrung hat mich gelehrt, das es sie immer noch gibt. Und zwar immer dann, wenn man sie nicht erwartet :-)

Wenn man seine Tomaten tollkühn schon Anfang Mai ins Freie setzt, weil es schon 20°C warm ist, kommt manchmal die böse Überraschung und der plötzliche Nachtfrost macht die Arbeit von 8 Wochen zunichte. Dann ist guter Rat teuer, hätte man nur die 2 Wochen noch abgewartet. Ein verfrühtes Auspflanzen bringt meist keine Erntevorteile sondern nur das Risiko eines Frostschadens.

Tomatenpflanzen reagieren übrigens sehr empfindlich auf Temperaturen unter 5°C. Sie wachsen danach nie wieder so kräftig weiter, wie Tomatenpflanzen, die keinen niedrigen Temperaturen ausgesetzt waren. Diesen Temperaturschock bekommen übrigens oft die Tomaten, welche man durch das Einpacken in Vlies vor Frost retten wollte. Den Stress mit diesen ganzen Not-Maßnahmen kann man sich komplett sparen, wenn man die Tomaten zum richtigen Zeitpunkt ins Freie pflanzt. :-)

Falls Du noch eine Anleitung zum Tomaten einpflanzen suchst: Tomatenpflanzen einpflanzen – Vaters Methode

Fazit

Tomaten aussäen ist nicht schwer und macht Spaß! Es gibt eine schier unüberblickbare Vielfalt an Tomatensorten, so dass man in jedem Jahr andere anbauen kann. Wenn man von Anfang an dafür sorgt, dass die Tomaten eine ideale Kinderstube genießen und unter optimalen Bedingungen aufwachsen können, steht einer reichen Tomatenernte ab Juli nichts mehr im Wege. Viel Spaß mit euren Tomaten!

bunte reife Tomaten in vielen Sorten
Nichts macht mehr Spaß wie Tomaten aussäen und wachsen lassen. Es gibt hunderte Sorten – eine schöner wie die andere!
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Seit 2006 Kleingärtner mit Passion und Experimentierfreude. Seit 2011 Gartenblogger. Naturnah und erdverbunden. Ohne viel Schnickschnack. Garten als Wohlfühloase und sommerliches Wohnzimmer ohne jeglichen Erfolgsdruck. Kommuniziere gerne über den Gartenzaun - besuche mich auf Instagram und Facebook! Mehr über mich

4 Kommentare

  1. Avatar

    Hallo, auf den Bilder scheint es, als ob du die Tomaten sowohl in die Quelltöpfe als auch in Erde gesät hast. Was hat denn besser funktioniert? Oder sind das zwei verschiedene Stadien des Wachstums?

    Grüße

    • Stefan
      Stefan

      Hallö, ich säe mittlerweile Tomaten nur noch in Quelltöpfen aus. Die Ergebnisse waren einfach besser! Die Tomaten keimen in den Kokostöpfen sehr schön und lassen sich später auch problemlos umpflanzen. Jetzt ist Tomaten-Aussäh-Zeit!

  2. Avatar

    Von den Quelltöpfen bin ich irgendwie weg. Warum weiß ich auch nicht wirklich. Ich säe meine Tomaten wieder in Erde aus.

    Ich benutze da Anzuchtboxen, wo ich die Erdbällchen dann von unten nach oben raus drücken kann. Da bröckelt zwar etwas, aber klappt alles in allem auch ganz gut.

    Ich wünsche dir auch für dieses Jahr eine reiche Ernte.

    Grüne Grüße
    Sebastian

    • Stefan
      Stefan

      Hi Sebastian, ich denke auch, jeder muss sein „Lieblingssubstrat“ finden ;-) Erde ist in jedem Fall billiger. Viele Grüße!

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