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Jeder, der schon einmal eine Amaryllis (Hippeastrum) sein eigen nennen durfte, war bestimmt beeindruckt von den riesigen wunderschönen Blüten. Nach der Blüte bilden sich bei einigen Pflanzen mit etwas Glück Samenkapseln und viele fragen sich: Kann man Amaryllis aus Samen ziehen? Dieser Frage bin ich nachgegangen und soviel kann ich schon mal verraten: Man kann! Ich habe es selbst versucht und meine Erfahrungen hier aufgeschrieben.

Amaryllis Hippeastrum bestäuben mit einem Wattestäbchen
Mit einem Wattestäbchen wird die Amaryllis bestäubt, damit sich Samen bilden.

Amaryllis bestäuben

Damit sich bei einer Amaryllis Samenkapseln ausbilden, muss sie bestäubt werden. Das kann man ganz einfach mit einem Wattestäbchen oder mit einem Pinsel selbst erledigen. Einige Amaryllis sind selbstfruchtbar, so dass man einfach den Pollen einer Pflanze auf ihren eigenen Stempel tupfen muss, um sie zu bestäuben.

Interessanter wird es jedoch, wenn man zwei Pflanzen kreuzt! Man nimmt zwei Amaryllispflanzen (der selben Art) und bestäubt sie gegenseitig. Das Ergebnis wird auf jeden Fall überraschend sein, die Ergebnisse einer solchen Kreuzung kann man nicht vorhersehen.

Wenn die Bestäubung erfolgreich war, merkt man es daran, dass die Blüten schnell zu welken beginnen. Gleichzeitig wird der grüne Teil direkt unter der Blüte immer dicker. Daraus entwickelt sich innerhalb von ca. 4 Wochen die Samenkapsel.

Amaryllis Hippeastrum Samenstand

Samen ernten

Etwa 5-7 Wochen nach der Bestäubung ist der Samen ausgereift. Man merkt es daran, dass die Samenkapsel ihr Aussehen von grün zu mattgrün-faltig wechselt. Sie wird auch papierartig dünn und beginnt, an den Kanten aufzureißen. Jetzt heisst es: “Obacht geben!”, denn die Amaryllis nutzt den Wind zur Verbreitung ihrer Nachkommen! Die kleinen Samenkörner sind von einer hauchzarten Hülle umgeben, die der Wind leicht wegtragen kann. Wenn man nicht aufpasst, hat man die Amaryllis-Samen in der gesamten Wohnung herumliegen ;-)

Am besten, man packt die noch geschlossenen Samenkapseln in ein Organzasäckchen oder eine Frühstückstüte aus Papier ein. So geht kein Körnchen verloren.

Sobald die Samenkapsel aufplatzt, ist der Samen reif und kann geerntet werden. Pro Samenkapsel sind sehr viele Samenkörner enthalten, von denen jedoch nicht jedes keimfähig ist.

Die Haltbarkeit der Amaryllis-Samen ist ebenfalls begrenzt. Man sollte sie nach einer kurzen Trocknung sofort aussäen.

Amaryllis Hippeastrum Samenkapsel geöffnet

Amaryllis Samen keimen lassen

Nachdem die Samenkörner geerntet sind, lässt man sie 1-2 Tage auf einem Tuch trocknen. Danach kann gesät werden! Für die Aussaat haben sich zwei Methoden als sehr geeignet erwiesen. Ich habe beide probiert und beide haben hervorragende Ergebnisse geliefert.

Bevor man sät, sortiert man noch die tauben Samenkörner heraus. Das sind Körner, die später nicht keimen werden, weil sie nicht voll ausgebildet sind. Man erkennt sie daran, dass sie keine fühlbare Erhebung in der Mitte haben. Das ist der eigentliche Samen. Man fühlt ihn sehr deutlich, wenn man das Samenkorn zwischen den Fingern hin- und her reibt.

Wassermethode (Floating)

Die leichteste und interessanteste Methode, um Amarylls aus Samen zu ziehen, ist die “Floating” – Methode.

Dazu benutzt man ein transparentes Gefäß, in welches man klares Leitungswasser gibt. Die Samenkörner werden nun auf die Oberfläche des Wassers gelegt. Sie schwimmen! Die Körner dürfen sich berühren, sollen jedoch nicht übereinander liegen.

Amaryllis Hippeastrum aussaen

Das Gefäß stellt man nun an einen hellen und warmen Ort (um 20 °C). Eine Fensterbank über einer Heizung ist ideal. Die Samenkörner beginnen nun langsam zu keimen. Die Keimung kann bis zu 4 Wochen dauern.

Ab und an sollte man das Wasser wechseln, wenn es anfängt, verbraucht auszusehen. Es können sich auch Algen bilden. Sobald man Algenbildung bemerkt, wechselt man das Wasser aus. Dazu nimmt man die Körner aus dem Wasser und legt sie auf ein Tuch. Danach wird das Glas gründlich gereinigt und mit frischem Wasser befüllt. Anschließend gibt man die Amaryllis-Samen wieder hinein, möglichst richtig herum. Die Wurzel muss immer nach unten zeigen ;-) Faulige Samenkörner werden sofort entfernt.

Nach den Wurzeln erscheinen bei den Samenkörnern auch schon bald Blätter im Wasser. Sind diese etwa 3-4cm lang, kann man das Pflänzchen entnehmen und einpflanzen. Die Pflanzen, die noch nicht soweit sind, dürfen noch im Wasser bleiben.

Diese Methode hat den Vorteil, dass die Samenkörner ungestört keimen können ohne die Gefahr, auszutrocknen. Krankheiten und Schädlinge haben im Wasser ebenfalls keine Chance. Meine Keimlinge in Wasser sind wunderbar gediehen.

Amaryllis Hippeastrum Samen im Wasser mit Wurzeln
Hier sind bereits Wurzeln gekeimt und die Blättchen sind auch schon zu sehen.

Tongranulat-Methode

Die andere empfehlenswerte Methode für die Aussaat von Amaryllis ist in Tongranulat.

Man befüllt eine Aussaatschale mit Tongranulat, welches sich vorher mit lauwarmem Wasser vollsaugen durfte. Das Wasser muss vollständig abgegossen werden, die Feuchtigkeit im Granulat genügt völlig.

Nun steckt man die Amaryllis-Samen in das Granulat hinein, jedoch nur bis kurz unter die Oberfläche mit einem Abstand von ungefähr 3 cm zwischen den Samenkörnern. Die komplette Schale wird in eine transparente Plastiktüte geschoben, die verschlossen wird. Man stellt sie hell und warm auf. Gießen ist nicht notwendig, die Feuchtigkeit aus dem Granulat genügt.

Sobald man Blätter sehen kann, entfernt man die Folie vorsichtig. Nun beginnt man mit wöchentlichen Düngergaben. Die Pflanzen werden schnell größer und kräftiger. Nach 10-12 Wochen kann man sie dann umpflanzen.

Amaryllis-Keimlinge auspflanzen

Sind die kleinen Amaryllis-Keimlinge groß geworden und sehen kräftig aus, ist es an der Zeit für das Umpflanzen. Sie brauchen jetzt dringend gute Erde und eine gehörige Portion Nährstoffe.

Ich setze sie in Gruppen in große tiefe Schalen, die ich mit lockerer Blumenerde fülle, die mit etwas Tongranulat aufgelockert wird. Amarylllis kuscheln gerne.

Man entnimmt die Keimlinge vorsichtig dem Wasser oder der Anzuchtschale und pflanzt sie in die Erde, in die man vorher ein kleines Loch gemacht hat. Die Erde wird nach dem Pflanzen vorsichtig angedrückt und angegossen. Vorsicht vor Staunässe!

Amaryllis Hippeastrum Keimling wird in Erde eingepflanzt
Die Amaryllis-Keimlinge werden vorsichtig in Erde eingepflanzt, wenn sie groß genug sind.

Weitere Pflege

Die kleinen Amaryllis-Pflanzen werden nun genauso wie die “Großen” gepflegt. Sie bekommen einen hellen, warmen Standort. Jedoch ohne direkte Sonneneinstrahlung, denn das könnte die zarten Blättchen verbrennen. Die Erde darf nicht vollständig austrocknen. Mit jedem Gießen gibt man eine Portion Flüssigdünger nach Packungsangabe. Man darf jedoch erst gießen, wenn sich die Erde trocken anfühlt (Finger reinstecken). Amarylliswurzeln sind sehr empfindlich auf Staunässe und sterben leicht ab.

Die Amaryllis werden jetzt rasant an Größe zulegen und noch mehr Blätter ausbilden.

In den ersten beiden Jahren lässt man sie ohne Winterruhe im Zimmer wachsen. Danach bekommen sie ihre zwei- bis dreimonatige Kältephase (siehe Amaryllis Pflegeanleitung). Ab und an wird ein Blättchen trocken und abfallen – ein gutes Zeichen! Dann wächst nämlich die Zwiebel.

Wenn es den Zwiebeln nach einiger Zeit in der Schale zu eng wird, pflanzt man sie in größere Gefäße um.

Amaryllis Hippeastrum aus Samen ziehen
So sehen die kleinen Amaryllis-Keimlinge 9 Monate nach dem Aussäen aus. Es sind schon kleine Zwiebelchen dran!

Erste Blüte

Die Aussaat von Amaryllis ist leider nichts für Ungeduldige. Es kann bis zu 6 Jahre dauern, bis sich die ersten Blüten zeigen. Doch wer, wenn nicht wir Gärtner hat diese Geduld! ;-) Wenn es einmal soweit ist, kann man mit Stolz von sich behaupten, eine eigene Amaryllis-Sorte gezüchtet zu haben. Welche Farbe wohl entstehen wird?

Fazit

Amaryllis aus Samen ziehen funktioniert relativ problemlos. Wenn man die Samen schwimmen lässt oder in Tongranulat anzieht, kann wenig schief gehen. Ein Nachteil ist die lange Zeit, die es dauert, bis die Amaryllis zur Blüte gelangt. Aber die Mühen werden durch wunderschöne Riesenblüten belohnt. Viel Spaß!

Amaryllis Hippeastrum Blüten komplette Pflanze im Topf
So prächtig kann eine Amaryllis aussehen. Das hier ist die Mama von meinen Aussaaten.

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Author

Seit 2006 Kleingärtner mit Passion und Experimentierfreude. Seit 2011 Gartenblogger. Naturnah und erdverbunden. Ohne viel Schnickschnack. Garten als Wohlfühloase und sommerliches Wohnzimmer ohne jeglichen Erfolgsdruck. Kommuniziere gerne über den Gartenzaun - besuche mich auf Instagram und Facebook! Mehr über mich

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