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Soja? Kannte ich bisher nur aus der Flasche als Soße zum Sushi oder in der Suppe schwimmend als Tofu aus dem Asienurlaub… Umsomehr überraschte mich vor einiger Zeit eine E-Mail von Taifun, ob ich nicht beim „1000 Gärten Sojaexperiment“ mitmachen wolle. Nun war ich neugierig geworden. Da gibt es tatsächlich jemanden, der sich für den Sojaanbau in Deutschland einsetzt. Auch noch unterstützt von einer der renommiertesten Saatgut-Forschungsinstitute – der Universität Hohenheim! Da bin ich doch dabei!

Die Sojapflanze – das unbekannte Wesen

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So sieht die Sojapflanze aus

Bei Soja handelt es sich um eine Bohnenart, die eher in den wärmeren Regionen dieser Welt zuhause ist. Nicht umsonst sind die USA, Argentinien, Brasilien und China (frühester Sojaanbau seit 7000 v.Chr. !!) die weltweit größten Exporteure von Soja. Lange Transportwege sind also unumgänglich.

Soja sieht fast aus wie eine Buschbohne, hat aber leicht behaarte Blätter. Sie ist einjährig und wird ca. 20-80cm hoch. Sie bildet aus den schönen Blüten die begehrten Sojaschoten aus. In diesen reifen die Sojakörner heran. Die Sojapflanze verankert sich mit einer  Pfahlwurzel im Boden – bis zu 1,5 Meter kann sie lang werden. Und mit dieser Pfahlwurzel kann sie sogar ein wenig zaubern ;-) Mit Hilfe von Knöllchenbakterien, die sich in Symbiose mit der Pflanze befinden, versorgt sich die Pflanze quasi selbst mit Stickstoff.

Das Besondere an der Sojabohne ist die hohe Qualität des pflanzlichen Eiweißes, die fast mit der von tierischem Eiweiß vergleichbar ist. Soja ist also ein sehr wertvolles Lebensmittel! Deshalb nimmt die weltweite Anbaufläche von Soja immer mehr zu.

Die Sojabohne hat keine besonderen Ansprüche an den Boden, braucht aber Wärme um zu wachsen. Dabei ist die Vegetationsperiode in unseren Breiten etwas zu kurz, um Soja komplett ausreifen zu lassen. Aber in milden und geschützten Regionen könnte der Sojaanbau funktionieren – das wird hoffentlich in diesem Experiment herausgefunden. Viele weitere Informationen liefert der sehr ausführliche Wikipedia-Artikel über die Sojapflanze.

Soja wird vielfältig eingesetzt

Soja wird wegen seines Öl-und Eiweißgehaltes angebaut. Dabei landet nur der kleinste Teil der weltweiten Sojaernte direkt auf unseren Tellern!

Nur um ein Beispiel zu nennen: über 80% des in Südamerika angebauten Sojas wird nach Nordamerika und Europa als Tierfutter exportiert. Nur ein geringer Anteil wird zur bekannten Sojasoße, zu Tofu, Sojasprossen oder Edamame verarbeitet.

Aus Soja gewinnt man auch hochwertiges technisches Öl mit interessanten Eigenschaften. In den USA werden z.B. 50% aller Zeitungen mit Druckfarben auf Sojaöl-Basis gedruckt.

Aber auch Biodiesel und Kosmetik- und Medizinprodukte lassen sich aus Soja herstellen.

 

Soja aus Deutschland? Im Ernst?

Soja wird momentan über viele tausende Kilometer aus dem Ausland zu uns importiert. Dabei liegen im Inland viele Ackerflächen brach, die man für den Sojaanbau nutzen könnte. Heimisches Soja muss nicht importiert werden und man hat die volle Kontrolle über die Anbaubedingungen.

Im Ausland importiertes Soja, vor allem in Südamerika, wird aufgrund der hohen Nachfrage auf immer größeren Flächen angebaut. Damit einher geht die Abholzung von Regenwaldflächen, Verkargung der Böden, Düngemitteleinsatz etc. Genverändertes Soja wird notwendig, um noch höhere Erträge zu erzielen und Schädlingsresistenzen aufgrund der riesigen Monokulturen aufzubauen. Im Inland angebautes Soja kann nach streng kontrollierten Bio-Richtlinien erzeugt werden – ein Plus für Verbraucher und auch für die Bauern. Soja verbessert durch die Symbiose mit den Knöllchenbakterien ebenfalls den Boden und die Menge des eingesetzten Düngemittels für die Folgekulturen kann reduziert werden, wenn die Wurzel nach der Ernte im Boden verbleibt.

Gute Gründe für das Anbau-Experiment

Dem 1000Gärten-Projekt voraus ging ein 2011 gestartetes und mit 1,2 Millionen Euro gefördertes Forschungsprojekt  „Ausweitung des Sojaanbaus durch züchterische Anpassung sowie pflanzenbauliche und verarbeitungstechnische Optimierung“. Hier ist der Abschlussbericht dieses Projektes. In diesem Projekt wurden Sojastämme ermittelt, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Anbau in Deutschland eignen könnten. Diese Sojastämme wurden besonders mit Blick auf die Tofuherstellung selektiert.

Mit diesen Sojasorten soll ein großflächiger Sojaanbau in Deutschland ermöglicht werden. Soja aus einheimischem Anbau wird höhere Preise als im Weltmarkt erzielen können – ein Vorteil für unsere heimischen Bauern, die sich damit eine neue nachhaltige Einnahmequelle sichern können. Geringere Umweltbelastung durch die kurzen Transportwege, bessere Kontrollierbarkeit der Qualität und die besondere Auswirkung des Anbaus auf den Boden kommen noch dazu. Sojaprodukte sind mittlerweile so wichtig für uns, daß sich ein Anbau im Inland sehr lohnen würde.

Doch bevor es soweit ist, und wir die Vorteile von einheimischem Soja genießen können, müssen sich die ermittelten Sorten erst einmal „in freier Wildbahn“ beweisen. Deshalb haben sich über 2400 Gärtner bereit erklärt, verteilt über das gesamte Land am Experiment teilzunehmen und Soja im eigenen Garten unter verschiedensten Bedingungen anzubauen.

1000 Gaerten_Soja Experiment parzelle94 Sendungsinhalt
Das war im Willkommenspäcken drin – Saatgut, Anschreiben, Etiketten, Knöllchenbakterien und eine Farbtafel.

So funktioniert das Experiment

Über 2400 Gärtner aus ganz Deutschland hatten sich für die Teilnahme am Experiment beworben. An diese wurden dann die Starterpakete geschickt. In diesen Paketen enthalten war eine kurze Anleitung, 12 Saatgut-Päckchen mit Stecketiketten, ein Tütchen mit Knöllchenbakterien und eine Farbkarte zur Bestimmung des Blattgrüns.

Dieses Soja wird nun auf einer Fläche von 12m² je Garten angebaut. Der komplette Verlauf des Experiments wird im Internet auf einer speziellen Plattform (www.1000gaerten.de) dokumentiert. Jeder Gärtner hat einen Zugang erhalten, wo man wichtige Meilensteine des Sojawachstums eingeben muss. Z.B. wird der genaue Aussaatermin eingetragen, die erste Keimung, der Fruchtansatz, die Schotenreife und noch vieles mehr. Ganz am Ende schickt man einen Teil seiner Ernte an die Uni Hohenheim zur Auswertung. Diese gesammelten Daten werden im Anschluß verarbeitet und analysiert um die vielversprechendsten Sorten für den großflächigen Sojaanbau einzusetzen.

Ziel des Soja-Experiments

Am Ende soll eine Sojasorte selektiert werden, die in unserem Klima gut wächst und die sich in großem Maßstab auf unseren Feldern anbauen lässt.

Es geht los: Aussaat in der Parzelle94

Und nun geht es auch bei mir los, denn ich bin selbst einer der 2400 Gärtner, die dem Soja für eine Saison ein Zuhause geben. 12m² Beetfläche zur Verfügung zu stellen ist ein ziemliches sportliches Unterfangen – aber etwas weniger geht auch. So konnte ich 6m² frei machen und mit dem Sojaanbau beginnen.

Mein Starterpaket traf etwa Mitte April bei mir ein, aber die Bodentemperaturen waren noch zu niedrig. Soja mag es eher kuschelig, also musste ich noch warten. Anfang Mai war es dann soweit und der Boden hatte sich auf über 10 Grad Celsius erwärmt. Los gehts!

1000 Gaerten Soja Experiment parzelle94_Soja_Saatgut
So sehen die Soja-Samenkörner aus. Wenn man sie zu fest drückt, brechen sie leicht auseinander.

So sehen Sojabohnen aus. Es sind kleine Diven ;-) Man darf sie nicht zu sehr stressen und schon gar nicht quetschen – sie brechen dann sofort in zwei Teile und das wars dann mit der Keimerei.

Als erstes mussten alle Samentütchen geöffnet werden, damit man sie mit den mitgelieferten Knöllchenbakterien vermischen kann – ganz vorsichtig. Mit diesen Bakterien lebt die Pflanze in harmonischer Symbiose. Auf neudeutsch würde man das WIN-WIN-Sitution nennen ;-) Perfekt! Die Knöllchenbakterien versorgen die Pflanze mit Stickstoff und die Pflanze versorgt die Bakterien auch mit irgendwas, nur was konnte ich nicht genau rausfinden. Vielleicht kann mir da jemand vom Projektteam auf die Sprünge helfen?

1000 Gaerten Soja Experiment parzelle94 Knoellchenbakterien
Das Saatgut wird mit den Knöllchenbakterien vermengt. Nur so wachsen die Pflanzen gut.

Die Bakterien, ein schwarzes Pulver, wird in 12 Teile geteilt und direkt in der Packung mit den Samenkörnern vermischt.

1000 Gaerten Soja Experiment parzelle94 Beete vorbereiten
Die vorbereiteten Beete.

Die Beete werden vorbereitet und die Saatrillen gezogen. Exakt alle 40cm entsteht eine 3-4cm tiefe Rille in die die Samenkörner gelegt werden. Jede Rille das Saatgut aus einem Päckchen.

1000 Gaerten Soja Experiment parzelle94 Saatrille
In Saatrillen werden die Samenkörner platziert.

2cm beträgt der Abstand der Samenkörner. Wenn die kleinen Pflänzchen dann gekeimt sind, wird auf 4cm ausgedünnt.

1000 Gaerten Soja Experiment parzelle94 Saatreihen
Die Reihen werden mit den praktischen Stecketiketten markiert. Da kommt nix durcheinander.

Das Stecketikett markiert die Reihe, damit nichts durcheinander kommt und damit man auch noch im Oktober weiß, welche Sorte in welcher Reihe wächst.

Die ersten Soja Keimlinge sind zu sehen!

1000 Gaerten Soja Experiment parzelle94 Keimlinge
Nach fast exakt 10 Tagen keimen die ersten Böhnchen.

Nach fast exakt 10 Tagen – wie in der Anleitung versprochen – schauen die ersten Pflänzchen aus der Erde. Herrlich! Es hat funktioniert! Habe gleich das Datum des Keimens in der Onlineplattform eingetragen.

An dieser Stelle sei euch noch der Gärtnerblog auf 1000gaerten.de empfohlen. Hier treffen sich die teilnehmenden Gärtner und berichten über ihren Sojaanbau.

Jetzt heisst es Warten auf die anderen Sorten. Sobald es Neues vom Soja gibt, melde ich mich wieder.

 

 

 

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Autor

Seit 2006 Kleingärtner mit Passion und Experimentierfreude. Seit 2011 Gartenblogger. Naturnah und erdverbunden. Ohne viel Schnickschnack. Garten als Wohlfühloase und sommerliches Wohnzimmer ohne jeglichen Erfolgsdruck. Kommuniziere gerne über den Gartenzaun - besuche mich auf Instagram und Facebook! Mehr über mich

4 Kommentare

  1. Hallo Stefan!

    Das ist ja aufregend, viel Erfolg weiterhin mit den Sojaböhnchen.

    Als Vegetarierin esse ich ab und zu gerne Produkte aus Soja. Ich brauche sie nicht als Fleischersatz, aber es schmeckt ja gut und gerade so ein vegetarischer Burger ist schon mal nett. Aber die schlechte Ökobilanz des Sojas ist natürlich immer so ein Thema. Insofern wäre es ja schön, wenn man Produkte aus regional angebautem Soja kaufen könnte.

    LG Jessica

    • Stefan
      Stefan Antworten

      Hallo Jessica, danke! Bin gespannt, ob sich eine Sojasorte bei mir im windigen Garten als Favorit erweist und schöne große Schoten macht… Das Edamame kann man selbst herstellen, wurde mir gesagt. Das will ich gerne mal probieren – klingt lecker ;-) Viele Grüße!

  2. Ich bin gespannt! Also dieses Jahr die Soja- statt Kürbis-Challenge? Meine Sojalieferung ist auch im April angekommen, allerdings steht auf meinem Begleitzettel, daß der Reihenabstand 50 cm beträgt. Ob es hier verschiedene Experimentgärten gibt? Unsere Fläche ist zwar vorbereitet, allerdings fehlte mir bisher die Zeit (zumal ich die Eisheiligen immer als guten Grund vorschieben konnte). Wenn dann alles gut geht, kommt unsere Soja heute ins Beet. Vorbereitet ist es schon seit einer Weile. Ich bin gespannt, wie es dann nach 10 Tagen bei uns aussieht.

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