Buchvorstellung: „Laubenpieper – Wo das wahre Leben tobt“

Ein Kleingartenroman. What?

Mein Telefon klingelt – ein Verlag ist dran. „Hi Stefan, hast Du Lust einen neuen Kleingartenroman zu lesen und was drüber zu schreiben?“ – „Äh, öh – klar, warum nicht?“ Worauf hab ich mich da eingelassen. Ich muss ein Buch lesen! Was ich eigentlich gar nicht lesen wollte. Aber manchmal kommt der Appetit erst beim Essen – und so war es bei diesem Buch auch :-)

Das Buch

250 Seiten Recyclingpapier, fasst sich gut an, sehr natürlich. Netter Einband, trotzdem ein Leichtgewicht. Passt super in eine Tasche rein – ein Taschenbuch – ein Roman sogar. Keine Bilder enthalten, nur Text. Perfekt um die eigene Fantasie schweifen zu lassen. Pro-Talk-Verlag, erschienen 2017. 44 Kapitel.

Laubenpieper Buch Rezension

Der Autor

Martin Demmler – Hauptberuflich Redakteur beim RBB Inforadio.

Darum geht’s

Robert und Sabine stolpern in das Abenteuer Kleingarten, angetrieben vom Wunsch nach einer eigenen grünen Oase. Einem Ort der Entspannung und einem Ort der Zweisamkeit. Gartenträume ausleben. Berlin – Siemensstadt. Alteingesessene Gartensparte mit 58 Parzellen am Bahndamm. Ein Kleingarten wird gesucht und gefunden – abenteuerliche Umstände. Sabine ist die treibende Kraft, Robert macht anfangs nur widerwillig mit. Gartenzeitschriften mit bunten Bildern werden gekauft, Pflanzen angeschafft, die marode Laube renoviert der türkische Nachbar. Der Garten wird urbar gemacht, die Nachbarn (multikulti natürlich) stellen sich vor ( bzw bloß ;-) . Rotwein und Fenchelsalami auf der Terrasse. Sonnenuntergänge, Baumarktbesuche. Irgendwie kenne ich das und fühle mich sofort gut aufgehoben im Buch. Der Protaginist feiert Gartenfeste, erlebt Maulwurfsjagden und amouröse Abenteuer im Swimmingpool – natürlich nicht mit seiner Frau. Ein Garten ist schließlich der Ort für eigene neue (Grenz-)Erfahrungen. Davon gibt es reichlich im Buch. Schrullige Nachbarn, viel Alkohol, planschende Kinder, kniehohes Unkaut. Herrlich! Im Laufe der Zeit formt der Garten seine Besitzer, nimmt sie in Beschlag, integriert jedes Spartenmitglied in eine faszinierende, skurrile, ja fast bizzarre Gemeinschaft von Menschen, die alle einen gemeinsames Ziel haben: Sich eine ganz persönliche Oase im Grünen zu schaffen. Temporärer urbaner Rückzugsort – aber gleichzeitig mitten drin. Überraschungen inklusive! All diese Abenteuer – keins davon scheint erfunden – machen dieses Buch so lesenswert.

Mein Fazit

Ein absolut unaufgeregtes aber spannendes Buch, welches einen unverfälschten Blick in das kleine, aber feine, skurrile, abenteuerliche, bürgerliche und herrlich subtil komische Universum einer Kleingartensparte in der Großstadt erlaubt. Wobei Großstadt auch durch „Kleinstadt“ oder „Dorf“ ersetzt werden könnte – Gartensparte ist Gartensparte ;-)

Ich habe dieses Buch zuerst skeptisch beäugt, aber schließlich konnte ich es nicht mehr weglegen. Nach 4 oder 5 Abenden mit Rotwein und Fenchelsalami hatte ich dieses Kleinod, welches man direkt auch als eine Garten-Soap-Opera in Textform bezeichnen könnte, ausgelesen. Das Buch kommt dabei völlig ohne Effekthascherei und Übertreibungen aus.  Es scheint, der Roman entspringt direkt aus der Erfahrung des Autors – vielleicht tut es das auch. Was war nur mit Yvonne passiert…

Dieses Buch ist für

  • jeden, der gerne in fremde Universen reist
  • angehende Kleingärtner, die wissen möchten, was sie erwartet
  • alteingesessene Kleingärtner, die im Liegestuhl gerne ein gutes Buch lesen und über sich selbst schmunzeln können
  • Leseratten mit Vorliebe für subtilem Humor und realsatirische Milleustudien

Konklusion:

Kaufen oder ausborgen, lesen! Hier gibt es das Buch bei Amazon* – 11,90 Euro

 

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Author: Stefan

Seit 2006 Schrebergärtner mit Passion und Experimentierfreude. Seit 2011 Gartenblogger. Naturnah und erdverbunden. Ohne viel Schnickschnack. Garten als Wohlfühloase und sommerliches Wohnzimmer ohne jeglichen Erfolgsdruck. Kommuniziere gerne über den Gartenzaun ;-) Besuchen Sie die Parzelle 94 auch auf Google+!

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