Bokashi selbst herstellen parzelle94 fertig
In solchen Eimern lässt sich Bokashi selber herstellen

Bokashi kann jeder leicht selbst zuhause herstellen

Wäre es nicht toll, wenn man die Gemüseabfälle, die zuhause täglich in der Küche anfallen, gleich vor Ort kompostieren und so galant auf die stinkende Biotonne verzichten könnte? Vor allem, wenn der Garten mit dem Komposter ein gutes Stück weit weg entfernt ist? Das funktioniert wirklich – das Zauberwort heißt Bokashi selbst herstellen! Klingt eigenartig- ist aber eine Erfindung eines schlauen Japaners. Anfang der 80er Jahre begann er, mit Hilfe von Mikroorganismen Bokashi herzustellen. Und wir können es ihm nachmachen – es ist nicht schwer!

Bokashi (mehr Infos bei Wikipedia) kommt wie der Herr Professor aus Japan und bedeutet „verfeinern, reifen“. Genau das findet in unseren Bokashi-Eimer statt. Der Eimer kann dabei in der warmen Jahreszeit auf dem Balkon stehen und im Winter im Keller – es riecht nichts und der Eimer ist recht klein, so daß er niemanden stört und überall ein Plätzchen findet.

Woher bekommt man einen Bokashi-Eimer

Bokashi-Eimer mit den dazugehörigen Starterkulturen kann man sich im Internet problemlos bestellen. Jedoch habe ich festgestellt, das Qualität ihren Preis hat. Für den Anfang habe ich mich daher entschlossen, einen Bokashi-Eimer selbst herzustellen. Macht natürlich auch viel mehr Spaß ;-)

Bokashi selbst herstellen parzelle94 benoetigtes Material
Man baucht nicht viel Baumaterial für einen Bokashi-Eimer

Benötigtes Material

2 ineinander passende Eimer aus lebensmittelverträglichem Kunststoff

Diese Eimer müssen, wenn sie ineinander stehen, zwingend luftdicht sein. Bokashi funktioniert nur unter Luftabschluß. Schöne Eimer bekommt man beim Imbiss um die Ecke – meist waren dort Spreewaldgurken, Senf oder Ketchup drin. Ordentlich gereinigt sind sie perfektes Ausgangsmaterial! Darauf achten, das ein Deckel dabei ist, der fest schließt.

Akkuschrauber

Damit bohren wir nachher die Löcher in den Boden.

Plastikfolie

Dient zum trennen von Inhalt und Beschwerung – bewahrt und vor fiesen Flecken

Plastiktüte und (Quarz-)Sand

Daraus bauen wir uns ein Gewicht zum Beschweren des Bokashi.

eine Flasche Brottrunk

Damit „impft“ man das Bokashi mit den notwendigen Mikroorganismen. Gibt es im Bioladen oder auch im Supermarkt – einfach danach fragen, manchmal steht es etwas versteckt ;-)

 

Bokashi_selbst_herstellen_parzelle94_Eimer_ineinander_stellen
Die beiden Eimer müssen perfekt ineinander passen.

 

Bokashi selbst herstellen parzelle94 Luecke Zwischen_Eimern
Wenn die Eimer ineinander stecken, muss noch ein wenig Platz zwischen den Böden bleiben.

Eimer testen – Schritt 1

So, nun wird es ernst – es geht los ;-) Zuerst schaue ich, ob die Eimer gut ineinander passen. Die Ränder müssen dicht aneinander liegen, wenn die Eimer zusammengesteckt sind. Weiterhin muss, wenn die Eimer ineinander stecken, unten ein wenig Platz bleiben. Auf dem Foto sieht man es sehr schön. Dort sammelt sich die austretende Flüssigkeit. Einige Bauanleitungen für Bokashi sehen in diesem Bereich einen Ablaufhahn vor. Ich finde aber, man kann sich das Gefummel beim Hahn-Einbau sparen, so extrem viel Flüssigkeit entsteht nicht. Wenn man diese Flüssigkeit nutzen möchte (siehe weiter unten), dann kann man sie einfach ausgießen.

Bokashi selbst herstellen parzelle94 Loecher im Boden
Mit einem Bohrer werden ein paar Löcher in den Boden gebohrt.

Löcher bohren – Schritt 2

In den oberen Eimer bohre ich nun Löcher mit dem Akkuschrauber und einem kleinen Bohrer in den Boden. Durch diese fließt nachher die Flüssigkeit in den unteren Eimer. Es genügen ein paar gleichmäßig verteilte Löcher.

Bokashi selbst herstellen parzelle94 Quarzsand
(Quarz-)Sand eignet sich wunderbar als Beschwerung für den Bokashi-Eimer

 

Bokashi selbst herstellen parzelle94 Sandbeutel Beschwerung
In eine große Mülltüte gefüllt bedeckt der Sand dann den ganzen Eimerboden.

 

Beschwerung basteln – Schritt 3

Damit der Bokashi gut gelingt, muss er beschwert werden. Wir machen das mit einem klassischen „Sandsack“. Sand hat den Vorteil das er sich dem Untergrund anpasst und auch Unebenheiten gleichmäßig beschwert. Durch das Gewicht wird der Bokashi schön gepresst. So klappt die Fermentierung besser und überschüssige Luft wird herausgedrückt.

Vorsicht: Quarzsand ist sehr fein, wenn man den verschüttet, findet man ihn noch Jahre später in den Ritzen der Wohnung ;-) Lieber draußen arbeiten.

Bokashi selbst herstellen parzelle94 Brottrunk
Mit Brottrunk kann man den Bokashi starten

Der Eimer wird befüllt und der Bokashi gestartet – Schritt 4

Der Bokashi ist dafür da, Gemüsereste zu fermentieren. Fleisch, Öl und gekochte Sachen sollten nicht rein – das funktioniert nicht. Wir geben also als erstes eine kleine Menge Gemüseabfälle in den oberen Eimer. Nun kommt das kleine Geheimnis – der Brottrunk! Er enthält von Natur aus eine reiche Palette von Milchsäurebakterien, Hefen und anderen kleinen Helferlein, die unser Bokashi erst so richtig auf Touren bringen.

Milchsäuregärung ist nämlich das Geheimnis! Im Bokashi findet nichts anderes statt. Viele kennen die Milchsäuregärung schon von der Sauerkrautherstellung – es ist quasi eine Art der Haltbarmachung!

Wir „impfen“ unsere ersten Gemüseabfälle mit einem kleinen Schluck vom Brottrunk (man könnte auch Sauerkrautsaft nehmen – wurde mir aber abgeraten – da ist zu viel Salz drin). Dadurch gelangen die Mikroorganismen auf das Gemüse und fangen an zu arbeiten. Jetzt kommt eine kleine Lage Folie (als Dreckschutz) auf das Gemüse, schön festdrücken und danach den Sandsack drauflegen – fertig! Jerzt wird noch der Deckel luftdicht draufgedruckt. Das wars.

Bokashi selbst herstellen parzelle94 Schutzfolie

Bokashi nach 2 Wochen

Nach vierzehn Tagen sieht es im Eimer dann so in etwa aus. Das Gemüse hat noch Farbe ;-) Aber die Konsistenz verändert sich und auch der Geruch wird leicht säuerlich – jedoch ohne zu stinken. Die Bakterien und Hefen haben schon gute Arbeit geleistet!

Bokashi selbst herstellen parzelle94 nach 2 Wochen Detail
Nach 2 Wochen kann man schon erste Ergebnisse sehen

 

Bokashi selbst herstellen parzelle94 nach 2 Wochen
Die Milchsäurebakterien haben gearbeitet

Wie geht es weiter?

Immer, wenn in der Küche Gemüseabfälle entstehen, fülle ich sie in den Bokashi-Eimer und sprühe oder träufle etwas von dem Brottrunk drüber (im Kühlschrank hält der sich quasi ewig). Dann wieder schön verschließen und weitergären lassen. Nach und nach verwandelt sich alles Grüne im Eimer in vergorenen Bokashi.

Was macht man mit dem fertigen Bokashi?

Der fertige Bokashi ist eine Art Vorstufe zum Kompost. Man kann ihn im Garten direkt in die Beete eingraben oder auf den Kompost geben. Im nu verarbeiten ihn die Mikroorganismen zu Humus. Ganz nebenbei pflegen die Milchsäurebakterien und Hefen den Boden. Perfekt! Man sollte nur darauf achten, das Pflanzenwurzeln nicht direkt mit dem Bokashi in Berührung kommen (wenn man ihn direkt im Beet vergräbt).

Was macht man mit der austretenden Flüssigkeit?

Ja, das ist was ganz Besonderes! Die austretende Flüssigkeit ist eine Art Flüssigdünger und kann auch so verwendet werden – sogar auf dem Balkon!

Man verdünnt dazu das Ganze 1:20 bis 1:100 (in der Gießkanne ist es schnell gemischt, erst Flüssigkeit reinfüllen und dann Wasser drüber) und dann freuen sich die Balkonpflanzen! Die Mikroorganismen darin aktivieren den Boden und sorgen für mehr Wachstum. Auch toll im Garten als Beimischung zum Gießwasser!

Wozu nochmal Bokashi?

Bokashi ist eine wunderbare Art und Weise, zuhause auf dem Balkon oder im Keller Grünabfälle aus der Küche geruchfrei aufzubewahren und so die Biotonne zu entlasten. Man befüllt eine Zeitlang den Eimer, lässt die Fermentation ihren Lauf nehmen und wenn alles fertig ist, gibt man das Ergebnis in den Garten und kompostiert es zuende. Perfekt!

Wo erfahre ich mehr darüber?

Im Internet gibt es zahlreiche Berichte über den Bokashi, hier sind einige interessante, die ich aufstöbern konnte zum Weiterlesen:

 

 

Ihr werdet herausfinden, daß ihr auf viele kommerzielle Angebote für Effektive Mikroorganismen stoßen werdet, wenn man nach „Bokashi“ sucht. Ich wollte es von Grund auf selbst machen, ohne zugekaufte Bakterienkulturen – aber probiert es selbst aus – vielleicht auch mal mit professionellen Starterkulturen. Würde mich interessieren, ob es damit schneller / besser / genau so gut funktioniert.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

 

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Autor

Seit 2006 Kleingärtner mit Passion und Experimentierfreude. Seit 2011 Gartenblogger. Naturnah und erdverbunden. Ohne viel Schnickschnack. Garten als Wohlfühloase und sommerliches Wohnzimmer ohne jeglichen Erfolgsdruck. Kommuniziere gerne über den Gartenzaun - besuche mich auf Instagram und Facebook! Mehr über mich

10 Kommentare

  1. Kannst du einen Tipp geben, in welchem Supermarkt du Brottrunk gefunden hast? Bisher wurde ich nur komisch angeguckt.

      • Stefan
        Stefan Antworten

        Also ich bekomme den Brottrunk immer im Supermarkt, der steht beim Brot, wenn auch immer etwas versteckt ;-) Ansonsten einfach mal fragen, die größeren Märkte haben ihn im Angebot. Viele Grüße!

    • Stefan
      Stefan Antworten

      Der Brottrunk steht bei uns direkt neben dem Brot, im Brotregal beim Pumpernickel. Die größeren Märkte haben den in jedem Fall. Viele Grüße!

  2. Danke für die tolle Anleitung ohne große Kosten und Schnickschnack! Super! Das werde ich unbedingt ausprobieren.

    Viele Grüße, Beatrice

  3. Danke für die interessante Anleitung, wollte so was schon länger machen habe aber nirgends eine passende Anleitung für gefunden.

  4. Vielen Dank für die einfache und wirklich gut nachvollziebare Anleitung, die ihr hier geteilt habt.

    Wird demnächst mal ausprobiert!

  5. Na das klingt ja interessant. Danke für den Tipp und probiere ich vielleicht wirklich mal aus! Was mich noch interessieren würde: wie lange dauert der Prozess denn? Wir haben nämlich relativ viel Grünabfall und so ein Eimer wäre bei uns relativ schnell voll…

    • Stefan
      Stefan Antworten

      Hallöle, der Bokashi ist nach 6-8 Wochen fertig. Das Ganze sieht dann aus wie Sauerkraut und riecht auch in etwa so ;-) Danach kann man es vergraben oder normal weiterkompostieren.

  6. Hallo Stefan,
    danke für den Tipp mit dem Brottrunk. Ich war gerade dabei ein fertiges super teures Ferment zu kaufen. Als ich meine zwei Eimer gekauft habe, war eine Tüte Ferment dabei (kostet alleine 15,- Euro für ca 3 Monate). Es ist leider sehr schnell geschimmelt, obwohl ich es in der Tüte fest eingerollt hatte :-((. Nun probiere ich den Brottrunk :-)) Freu mich drauf
    Barbara

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