7 Tipps: Wie fange ich mit dem Imkern an? Schritt für Schritt entspannt zu den ersten eigenen Bienen.

Viele Neuimker stehen vor der Frage: Wie soll ich mit dem Imkern anfangen? Womit beschäftige ich mich zuerst? Soll ich Bienen kaufen? Was brauche ich zum Imkern? Soll ich erst einen Imkerkurs belegen? Fragen über Fragen und im Internet findet man 1000 Meinungen dazu. Ich schreibe hier für Dich auf, was ich nach 4 Jahren eigener Bienenhaltung persönlich neuen Imkern empfehlen und mit auf den Weg geben würde. Herausgekommen sind 7 Tipps, mit denen man als Neuimker entspannt und sicher in die erste eigene Imkerei starten kann.

Bei mir ist am Anfang einiges schief gegangen – ich hoffe, daß ich das dem einen oder anderen durch diese Tipps ersparen kann.

 

Tipp #1 – Ruhe bewahren

Ja im Ernst! Du hast gerade die Entscheidung gefällt, Imker werden zu wollen. Herzlichen Glückwunsch! Gerade hat sich die Tür zu einem riesengroßen neuen Universum geöffnet – die Welt der Imker ist faszinierend, jedoch auch manchmal sehr verwirrend :-) Fragen über Fragen schießen durch Deinen Kopf, du möchtest am besten sofort beginnen. Doch halt – der erste Tipp heißt Ruhe bewahren. Hektik und schnelle Entscheidungen gerade zu Beginn des Imkerns können Dir den Spaß vermiesen, wenn nicht gleich am Anfang dann in naher Zukunft.

Wenn man gut geplant und strukturiert in die Imkerei startet, hat man wirlich mehr Freude dran. Ein Beispiel: Oftmals kommt man über ältere Imker, die ihre eigene Imkerei aufgeben möchten, zum Imkern. Und die möchten Dir etwas Gutes tun, und ihre gesamte Ausstattung vererben – inkl. Bienen, Beuten, Gerätschaften und 1000 Tipps. Als Jungimker ist man natürlich sofort vom Preis hingerissen und möchte am liebsten alles übernehmen. Doch vorsicht, gerade als Einsteiger weiß man nie was man kauft und worauf man achten sollte. Und in die Jahre gekommenes Imkerwissen überprüft man am besten mit Tipp #2 ;-)

Tipp #2 – Imkerkurs buchen

Imkerkurse werden landesweit angeboten und sind ein idealer und unverzichtbarer (!) Einstieg in die Welt der Bienen und der Imker. Hier trifft man neue Freunde, bekommt aktuelles Bienenwissen vermittelt, man geht zum ersten Mal unter Profi-Anleitung an die Bienen und lernt alles, was man am Anfang wissen muss. Und man kann Fragen stellen, die kompetent beantwortet werden.

Man erfährt, wo man seine ersten Bienen herbekommt, welche Bienenrasse empfehlenswert ist, welches Beutenmaß in Deiner Region geläufig ist (so kannst Du mit dem selben Rähmchenmaß imkern wie Deine Nachbarn, das erleichtert einiges), wie man imkert, wie man mit den Bienen umgeht, wie man Krankheiten vermeidet und vieles mehr. Meistens wird der Imkerkurs durch eine erste gemeinsame Honigernte „gekrönt“ – ein unvergessliches Ereignis!

Und man trifft eine Menge netter Leute! (So war das bei mit jedenfalls.) Zusatz-Tipp #2.1:  Unbedingt mit sympatischen Teilnehmern Telefonnummern tauschen! Besonders wenn man in der Nähe wohnt, kann man so zusammen imkern und sich gegenseitig helfen. Und Du wirst Hilfe brauchen, denn Dein Imkerpate oder Dein Imkerlehrer ist nicht immer da.

Eine Anlaufstelle, um Imkerkurse zu finden, ist z.B. der Deutsche Imkerbund, Imkerzeitschriften und die Landesverbände der Imker. Da kann man anrufen und die Termine für die Kurse erfragen. Die meisten Kurse beginnen im Winter / zeitiger Frühling.

 

Duchsicht des Bienenvolkes im Juli

Tipp #3 – Wann kaufe ich die Beuten und besorge mir die Bienen?

Mit Blick auf Tipp 1: Warte damit, bis nach dem Imkerkurs und bis nach Tipp #5.  Ich empfehle, den Imkerkurs, der meist nach dem Sommer endet, komplett zu belegen, bevor man sich an das Kaufen der Beuten, des Zubehörs und der ersten Bienen macht. Mit dem notwendigen Bienenwissen aus dem Kurs kannst Du im kommenden Jahr richtig durchstarten. Ein weiterer Vorteil,wenn man wartet: Man kann in vielen Bundesländern eine Neuimker-Förderung in Anspruch nehmen, da gibts Geld! Vorraussetzung dafür ist ein abgeschlossener Imkerkurs und man darf vor Bewilligung der Förderung noch nix für die Bienen gekauft bzw. noch nicht mit dem Imkern begonnen haben. Hier gibt es Infos zur Neuimkerförderung in Sachsen.

Deine Kollegen aus dem Imkerverein verraten Dir gerne, wo Du Deine ersten Bienen herbekommen kannst. Kaufe/besorge Sie Dir nicht von IRGENDWEM im Internet, sondern nur mit Gesundheitszeugnis vorzugsweise von jemandem aus Deinem Verein, der in Deiner Nähe wohnt. Es ist nie verkehrt, wenn jemand mit Erfahrung beim Einzug Deiner ersten Bienen dabei ist – du wirst den Moment nie vergessen!

Tipp #4 – einem Imkerverein beitreten

Der Imkerverein ist DEINE Anlaufstelle für alles was mit Bienen zu tun hat. Der Imkerverein meldet Dich bei der Tierseuchenkasse an (bzw. sagt Dir, wie das funktioniert),  schließt eine Versicherung für Dich ab, versorgt Dich mit Medikamenten für die Varroabehandlung und vieles mehr – alles ist meist im Beitrag enthalten. Eine lohnende Sache! Der Beitritt in einen Imkerverein ist freiwillig, ich würde es jedoch unbedingt empfehlen. Eine Übersicht der Imkervereine in Deiner Nähe gibts im Internet oder beim Landesverband. Man kann bereits während des Imkerkurses Mitglied in einem Imkerverein werden – Neuimker sind dort immer gerne gesehen. Vielleicht kann Dir Dein Imkerlehrer sogar einen netten Verein in Deiner Nähe empfehlen. Die Vereinsarbeit im Imkeverein hält sich sehr in Grenzen, meist trifft man sich nur 2x im Jahr (so ist es bei uns).

Das Beste: Im Imkerverein triffst Du auf andere Imker-Anfänger sowie auch auf „alte Hasen“, die Dich bestimmt gerne in den ersten Jahren an die Hand nehmen. Damit sind wir auch schon bei Tipp #5!

Tipp #5 – Imkerpaten suchen

Ich hatte keinen und das hat mir das erste Jahr echt schwer gemacht. Die Bienen waren ganz neu bei mir und ständig hab ich mich gefragt: Muss das jetzt so sein? Ist alles in Ordnung? Muss ich mir Sorgen machen? Wass soll ich tun, alle Bienen sitzen draussen? ;-) Haha – das ist wirklich passiert! Hätte ich einen Imkerpaten gehabt, hätte er mir beigestanden und wäre bei Fragen immer erreichbar. Ich empfehle euch deshalb im Verein herumzufragen, ob ein erfahrener Imker eurer Imkerpate sein möchte. Keiner wird euch den Wunsch abschlagen, denn alle haben mal angefangen und wissen wie das ist. Ihr solltet nur in der Nähe wohnen, das macht einiges einfacher. Habt ihr einen gefunden, dann ist er ab sofort euer Bienen-Experte!

 

Tipp #6 – nicht bei den Beuten und der Imker-Grundausstattung sparen

Im Imkerkurs lernt man, was man alles für die Grundaustattung braucht und welches Beutenmaß man benutzen möchte. Spart nicht bei der Erstausstattung und bei den Bienen-Beuten. Ich habe am Anfang billige Beuten-Selbstbausätze gekauft. Das ging im ersten Jahr sehr gut, im zweiten auch noch. Danach begann sich das dünne Holz zu verziehen, Spalten sind entstanden. Durch diese Spalten konnten die Bienen nach draußen – und noch viel schlimmer, fremde Bienen und Wespen nach drinnen – und die richten dann ein echtes Chaos an. Ein Albraum. Ich bin danach auf vorgefertigte Beuten aus dickem Holz umgestiegen (gibt auch Beuten aus Styropor, aber meine Bienen sollen nicht in Plastik wohnen müssen), mit stabilen Böden, toll verarbeiteten Dächern, Dämmplatten etc. Man findet einige Anbieter dafür, schon nach kurzer Recherche landet man bei den Platzhirschen. Dort wird man qualitätsmäßig nicht enttäuscht, doch Qualität hat ihren Preis. Aber Du hast ja die Neuimkerförderung, oder ? ;-) Tipp im Tipp: Es gibt auch – wenn auch manchmal etwas versteckte – Imkerläden, bestimmt auch bei Dir um die Ecke. Dort sollte man sich infomieren und auch dort kaufen. Nur wenn man nix in der Nähe hat, sollte man per Internet bestellen. Meist kommt man durch den Kauf in einem Laden in Kontakt mit weiteren Imkern aus der Region und kann sich so lokal vernetzen. Preislich macht das meist keinen Unterschied.

Wonach Du schon mal Ausschau halten kannst, ist eine Imkertasche für Dein Zubehör. Da gibts leider im Handel nix anständiges, ich habe jedenfalls nix gefunden. Schließlich bin ich bei einer viereckigen Werkzeugtasche vom Flohmarkt gelandet. Dort passt alles rein und ich kann sie platzsparend im Auto verstauen, so daß nichts rumfliegt und ich immer alles griffbereit habe. Dein Zubehör-Fundus wird nach und nach anwachsen, also wähle die Tasche nicht zu klein! Den Smoker transportiere ich immer außerhalb der Tasche, der muss da nicht reinpassen.

Tipp #7 – Bücher lesen, nicht im Internet verrückt machen lassen

Es gibt viele schöne Imkerbücher, mit denen man sich schon mal über das Imkern informieren kann. Ich bin über den „Wochenendimker“ zum Imkern gekommen – ein schönes, wenn auch umfangreiches Buch und schönes Nachschlagewerk. Daneben gibt es jedoch eine schier unübersichtliche Auswahl an Imker-Literatur. Stöber Dich durch und lies Dich ins neue Hobby rein. Dein Imkerwissen wirst Du jedoch erfahrungsgemäß im Imkerkurs lernen und so richtig verstehen wirst Du es, wenn Du mit den Bienen arbeitest ;-)

Vorsicht vor den Imkerforen im Internet. So nützlich sie sein mögen, so viel Verwirrung stiften sie auch. Frag am besten Deinen Imkerpaten bei Fragen. Die Imkerforen überfordern jeden Jungimker. Wie sagt mein Imkerlehrer: Frag 10 Imker und Du bekommst 12 Meinungen ;-)

Der Wochenend-Imker: Eine Schule für das Imkern mit Magazinen*
  • Karl Weiß
  • Herausgeber: Franckh Kosmos Verlag
  • Auflage Nr. 2 (06.06.2013)
  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten

 

So denn, viel Spaß bei Deinem neuen Hobby – es macht unglaublich viel Laune, mit den Bienen zu arbeiten und ist zwar nicht immer entspannend, aber es entschleunigt und ist ein Hobby, welches man sein ganzes Leben lang ausüben kann. Und es gibt Honig! Lass Dich von anfänglichen Rückschlägen und Stichen nicht entmutigen – bald bist Du der Imkerprofi und kannst Neuimkern hilfreich als Pate zur Seite stehen. Damit schließt sich der Kreis.

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Author: Stefan

Seit 2006 Schrebergärtner mit Passion und Experimentierfreude. Seit 2011 Gartenblogger. Naturnah und erdverbunden. Ohne viel Schnickschnack. Garten als Wohlfühloase und sommerliches Wohnzimmer ohne jeglichen Erfolgsdruck. Kommuniziere gerne über den Gartenzaun ;-) Besuchen Sie die Parzelle 94 auch auf Google+!

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1 Kommentar

  1. Lieber Stefan, vielen Dank für Deinen Blog. Habe bis jetzt gelernt wie ich die Gladiolen richtig überwintere und vorziehe, mit dem Imkern werde ich mich noch auseinander setzen und der Lilien-Beitrag hat mir gefallen. Meine Frage zum Imkern: Ich werde April bis Oktober in Bulgarien in den Bergen (Stara Planina bei Teteven) sein und in Deutschland überwintern (es sind -16 Grad in BG). Die erste Kern-Frage: Kann ich die Bienen im Winter alleine lassen ? Über eine Antwort, gerne auch an meine Mail-Adresse, würde ich mich sehr freuen.

    Gruß, Ralf

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