Oxalsäurebehandlung der Bienenvölker im Winter

Warum die Bienen mit Oxalsäure behandeln?

Oxalsaeurebehandlung_Varroa Dezember 2014 Behandlung zweizargigBienen macht die Varroa-Milbe arg zu schaffen. Die Milbe bedroht das Überleben unserer Bienenvölker. Deshalb muss sie bekämpft werden – möglichst bienenverträglich.

Im Winter wendet der Imker daher die Oxalsäurebehandlung an. Diese Methode hat sich in den letzten Jahren bewährt. Dabei werden die Bienen mit einer Oxalsäurelösung beträufelt. Am besten, wenn es draußen kalt ist – in etwa um die Zeit der Wintersonnenwende. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß die Bienen nicht mehr brüten – denn Brutfreiheit ist Vorraussetzung für das Gelingen dieser Methode.

Das ideale Wetter für die Behandlung kann man hier ermitteln: Varroawetter.de


Diese Anleitung hier habe ich mir selbst erarbeitet – wenn ihr euch unsicher seid oder auf Nummer sicher gehen möchtet, bitte ich euch, selbst weitere Recherchen anzustellen (Links am Ende des Beitrags) und euren Imkerpaten oder jemanden aus eurem Imkerverein um Hilfe zu bitten. Findet ihr einen Fehler in dieser Anleitung oder ist etwas unvollständig, bin ich über einen Hinweis in den Kommentaren sehr dankbar.


 

Die Oxalsäure

Es sind nur spezielle apothekenpflichtige Mittel als Oxalsäurepräparat in Deutschland zugelassen. Infos gibt’s über euren Imkerverein, in der Apotheke oder beim Amtsveterinär. Hier ein Link zu den zugelassenen Mitteln zur Varroabehandlung der Uni Hohenheim.

 

Die fertige Oxalsäure-Dihydrat-Lösung ist gesundheitsgefährdend! Die Lösung ist stark ätzend und kann Haut und Augen reizen. Beim Arbeiten mit Oxalsäure-haltigen Lösungen sind säurefeste Schutzhandschuhe und eine Schutzbrille zu tragen. Die Sicherheitshinweise auf der Verpackung der Präparate sind unbedingt zu beachten.

 

Öffnen der Bienenbeuten

 

Oxalsaeurebehandlung Varroa Dezember 2014 oeffnen Magazin

Trotzdem das draußen recht kalt ist, kommt man nicht drumherum, die Bienenbeuten für die Behandlung kurz zu öffnen. Das ist jedoch für die Bienen kein großes Problem.

Bei zweizargigen Völkern öffnet man zwischen der oberen und unteren Zarge – dort sitzt im Idealfall die Mitte der Wintertraube und man kann dort wunderbar hinein träufeln. In dem oberen Bild wird nur mal kurz unter den Deckel gelugt, der Stockmeißel ist jedoch schon an der richtigen Stelle ;-)

Bei einzargigen Völkern nimmt man einfach den Deckel ab und entfernt die Folie. Nun muss man nur noch erkennen, wo die Bienen sitzen.

Oxalsaeurebehandlung Varroa Dezember 2014 Erkennung besetzter Wabengassen

Dank des offenen Gitterbodens kann man normalerweise von oben durch die Wabengassen hindurchsehen. Siehe Foto im unteren Bereich. Überall, wo man nicht durchsehen kann, sitzen Bienen, die beträufelt werden müssen.

Man sollte sich bei der Oxalsäurebehandlung generell etwas beeilen, damit die Bienen nicht allzu lange offen stehen und damit die Säurelösung nicht zu stark abkühlt.


 

Säuremenge und Aufziehen der Spritze am Bienenstand

 

Oxalsaeurebehandlung Varroa Dezember 2014 Spritze aufziehen

Handschuhe anziehen und Schutzbrille aufsetzen!

Unsere gut verpackte und noch lauwarme 3,5%-ige Oxalsäurelösung wird jetzt in die Spritze gefüllt. Man benötigt für ein starkes Volk ca. 50ml und für ein schwächeres Volk ca. 30ml. Das ist nicht viel, aber für die Varroabehandlung schon ausreichend.

Ich wickle das Säuregefäß nach dem Aufziehen gleich wieder ins das Zeitungspapier ein, damit die Lösung möglichst warm bleibt.

 

 


 

Einträufeln der Lösung auf die Bienen

 

Oxalsaeurebehandlung Varroa Dezember 2014 Behandlung zweizargig

Jetzt wird es spannend. Ich empfehle, im Vorfeld das Träufeln mit der Spritze mit Wasser (und ohne Bienen) zu üben, um ein Gefühl zu bekommen, wie das funktioniert.

Die Säurelösung wird nun zügig auf den Bienen und in den besetzten Wabengassen tröpfchenweise verteilt. Dabei ist es besser, im ersten Durchgang nur die Hälfte der Menge aufzubringen und im 2. Durchgang den Rest – das ist für die Bienen besser verträglich. Je mehr Bienen man benetzt, desto besser.

Hat man die komplette Menge (50ml für starke Völker und 30ml für schwächere) aufgetragen, kann die Bienenbeute wieder verschlossen werden.

Ich habe bei -8°C behandeln müssen und selbst bei diesen Temperaturen sind Bienen aufgeflogen! Also bitte etwas aufpassen, gestochen hat zwar keine, aber entgegen der weitläufigen Meinung, Bienen sind starr bei unter Null Grad war ich doch etwas überrascht ;-) Die Verluste hielten sich jedoch in Grenzen.

Oxalsaeurebehandlung Varroa Dezember 2014 Wintertraube

Die Wintertraube macht einen lebhaften und starken Eindruck!

Oxalsaeurebehandlung Varroa Dezember 2014 Eintraeufeln einzargig

Auch die Behandlung der einzargigen Völker geht rasch von statten. Die Beuten bitte nicht zu lange geöffnet lassen – die Bienen kühlen sonst zu stark aus!

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Reinigen der Arbeitsgeräte

 

Oxalsaeurebehandlung Varroa Dezember 2014 Geraete Werkzeug reinigen

Wenn alle Völker behandelt sind, werden alle Gerätschaften, die mit der Oxalsäure in Berührung gekommen sind, unter fließendem Wasser gründlich ausgewaschen. Oxalsäurereste müssen vor der Entsorgung stark verdünnt werden. Alle Gerätschaften und auch das Oxalsäurepulver sollten an einem sicheren Ort und gut mit „GIFT“ oder ähnlich beschriftet aufbewahrt werden. Mit Oxalsäure ist echt nicht zu spaßen. Stelle gut merken, damit man alles in genau einem Jahr wiederfindet, wenn die nächste Behandlung ansteht ;-)


 

Ende gut – alles gut.

 

Langstroth Beuten Magazine Winter Dezember 2014

Im Winter stellt sich für den Imker immer die Frage, ob es den Bienen gut geht und ob noch Leben im Volk ist – es ist jedoch zu kalt, um nachzusehen. Da kommt einem die Oxalsäurebehandlung im Dezember immer ganz recht – da MUSS man die Völker öffnen – komme was wolle.

Ich bin jetzt etwas beruhigt, das noch überall Bienen drin sind, die auch alle so rein optisch und mengenmäßig recht ordentlich aussehen. Die Winterbehandlung mit Oxalsäure ermöglicht es den Bienen, im Frühjahr direkt mit dem ungetrübten Sammeln beginnen zu können. Gesunde Bienen = glücklicher Imker ;-)

Hinweis: Die Oxalsäurebehandlung ist für die Bienen sehr belastend, weswegen sie auch nur 1x im Jahr durchgeführt werden kann, ohne die Bienen zu schädigen!

 


 

Was jetzt noch zu tun ist

Die Behandlung muss ins Bestandsbuch eingetragen und dokumentiert werden.

Ich schiebe unter meine Völker jeweils wieder eine Varroawindel ein, um den Milbenfall zu kontrollieren. Die Säure dringt in die Bienen ein und übersäuert ihre Körpersäfte, die die Milben zu sich nehmen. Für die Milben ist das jedoch zu sauer, so daß sie sich entscheiden, die Biene von selbst zu verlassen. Einfach gesagt: Die Milben fallen ab und gefrieren dann auf der Varroawindel zu einem Eisblock ;-) Die Bienen sind sie so für immer los. Jedenfalls so lange, bis sich die paar verbliebenen Varroen im Frühjahr wieder vermehren.

Die Oxalsäurebehandlung funktioniert nur bei einem brutfreien Volk. Das sollte einige Wochen nach den ersten Nachtfrösten der Fall sein. Die Oxalsäure wirkt nicht in die Brutzellen hinein, so daß Varroamilben in den Brutzellen nicht abgetötet werden!

 


 

Das vorläufige Ergebnis nach 3 Tagen

3 Tage nach der Behandlung habe ich bei den Völkern die Varroawindeln kontrolliert. Bei einem Volk (meinem stärksten) war gar keine Milbe gefallen, bei einem der kleineren Völker waren nur sehr wenige und bei dem mittleren Volk recht viele. Auf dem Foto sieht man die Milben, die bei dem am stärksten befallenen Volk gefallen sind. Ich habe 31 Stück gezählt.

 


 

Weitere Infos im Internet

Hier noch einige Ressourcen im Internet, wo man sich wunderbar über die Oxalsäurebehandlung informieren kann.


Sicherlich findet ihr bei euren Recherchen auch andere Methoden, wie die Verdampfung von Oxalsäure. Das mag zwar für die Bienen funktionieren, jedoch ist das Risiko für euch als Imker, die Oxalsäuredämpfe zu inhalieren, immens hoch. Und wie schon mehrfach gesagt: Oxalsäure wird über Haut und Lunge aufgenommen und wirkt stark Nierenschädigend! Bitte verzichtet auf die Oxalsäureverdampfung!


 

 

 

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Author: Stefan

Seit 2006 Schrebergärtner mit Passion und Experimentierfreude. Seit 2011 Gartenblogger. Naturnah und erdverbunden. Ohne viel Schnickschnack. Garten als Wohlfühloase und sommerliches Wohnzimmer ohne jeglichen Erfolgsdruck. Kommuniziere gerne über den Gartenzaun ;-) Besuchen Sie die Parzelle 94 auch auf Google+!

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2 Kommentare

  1. Danke für die vielen Tips, mache heute (erst) die OS-Behandlung an meinen vier Völkern auf Basis Deiner Anleitung, obwohl ich es schonmal gemacht habe…aber diese Seite hier ist so schön praxisnah, als ob jemand neben mir steht und es mir zeigt…fast ;-)

    Danke und herzliche Grüße,

    Katja Piek

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    • Hi Katja, danke für das Lob ;-) Ich denke, jetzt ist ein guter Zeitpunkt für die Behandlung. Jetzt sind die Völker fast mit Garantie brutfrei. Kannst ja in den nächsten Tagen mal die Milben zählen, die runter fallen (mit der Varroawindel). Bei mir waren extrem viele nach der Oxalsäurebehandlung! Viele Grüße!

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